Predigt 8. September, Thomas Bleher

Predigt zu Apg. 3,1-10 - Klosterkirche

Liebe Gemeinde:

Vorhin in der Schriftlesung haben wir es gehört: Als Johannes der Täufer Jesus voller Zweifel fragen lässt: „Bist du der Messias, oder sollen wir auf einen anderen warten? Da lässt der ihm ausrichten: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Diese Wunder Jesus sind tatsächlich passiert und sie waren der Grund, dass Tausende ihm nachgelaufen sind. Zugleich sind diese Wunder Zeichen. Zeichen für den Anbruch des Reiches Gottes, Zeichen dafür, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes und Heiland der Welt. Jesus hat alle Menschen geheilt, die zu ihm gekommen sind, aber er hat nicht die Krankheit vollkommen beseitigt. Mit den Heilungen hat Jesus die Herrschaft Gottes demonstriert und seine Liebe zu den Menschen. Aber noch wichtiger als die äußerliche Heilung war Jesus, dass Menschen in Beziehung kamen mit dem Vater im Himmel- wobei manche Heilungen dann auch genau dazu geführt haben. 

Auch wir brauchen manchmal Heilung, dass wir die Liebe Gottes erkennen, dass wir die Stimme Gottes in unserem Leben hören und es umsetzen. Auch das ist wichtig, aber ich will Heilung nicht nur im übertragenen Sinne verstanden haben, das wäre zu einfach.
Heute Morgen geht es ja um die Heilung eines Gelähmten. Deshalb das Thema heute Morgen: Glaube, der Beine macht.

1.    Beine zum Beten
 „An einem Nachmittag gegen drei Uhr gingen Petrus und Johannes wie gewohnt zum Tempel. Sie wollten dort am gemeinsamen Gebet teilnehmen. Zur selben Zeit brachte man einen Gelähmten und setzte ihn an eine der Tempeltüren, an das sogenannte Schöne Tor. Der Mann war seit seiner Geburt krank und bettelte dort wie an jedem Tag. Als Petrus und Johannes den Tempel betreten wollten, bat er auch sie um Geld. Sie blieben stehen, richteten den Blick auf ihn, und Petrus sagte: „Schau uns an!“ Erwartungsvoll sah der Mann auf: Würde er etwas von ihnen bekommen? Doch Petrus sagte: „Geld habe ich nicht. Aber was ich habe, will ich dir geben. Im Namen Jesu Christi von Nazareth: „Steh auf und geh!“ Dabei fasste er den Gelähmten an der rechten Hand und richtete ihn auf. In demselben Augenblick konnte der Kranke Füße und Gelenke gebrauchen. Er sprang auf, lief einige Schritte hin und her und ging dann mit Petrus und Johannes in den Tempel. Außer sich vor Freude, rannte er umher, sprang in die Luft und lobte Gott.so sahen ihn die anderen Tempelbesucher. Sie erkannten, dass es der Bettler war, der immer an dem schönen Tor des Tempels gesessen hatte. Fassungslos starrten sie den Geheilten an: Wieso konnte er jetzt laufen?
Petrus und Johanne sind unterwegs zum Tempel zum Beten. Die griechische Form sagt, dass sie das regelmäßig taten. Wie? Beten kann man doch überall, auch im Auto (da dann möglichst nicht mit geschlossenen Augen). Vor ein paar Wochen noch waren sei mutlos und ängstlich hinter verschlossen Türen. Aber dann war Pfingsten gekommen, der Heilige Geist hatte ihnen Bein gemacht. Und nun gingen sie regelmäßig zum Beten in den Tempel. Sie haben die Gemeinschaft gesucht. Christen sind nicht zum Einzelkämpfern ausgebildet, sondern zur Gemeinschaft. Sie sind auch zu zweit unterwegs als gegenseitige Stütze und Ermutigung. Es liegt eine große Verheißung auf dem gemeinsamen Gebet, deshalb sollte wir das nicht verpassen und meinen wir könnten alles alleine. Glaube, der Beine macht, setzt uns in Bewegung, auch zum Gottesdienst, denn wir brauchen die Ermutigung und wir brauchen die Gemeinschaft. Ich kann sie beglückwünschen, es ist eine gute Gewohnheit in den Gottesdienst zu gehen. Die beiden Apostel gingen um 3 Uhr nachmittags in den Tempel zum Beten. Das heißt, sie hatten feste Gebetszeiten. Feste Gebetszeiten sind kein Muss, aber eine große Hilfe. Das was regemäßig passiert, ist eine Gewohnheit und gehört zu unserem Leben und das tut uns und unsrer Beziehung zu Gott gut. Jemand sagte mal. „Was nicht regelmäßig geschieht, geschieht in der Regel mäßig.“ Petrus und Johannes schöpften Kraft aus regelmäßigem Gebet und Gottesdienst. Deshalb waren sie auch erfüllt von Gottes Kraft.

2.    Glaube, der Beine macht zum helfen
Der Mann hat schon einiges hinter sich. Er ist gelähmt seit seiner Geburt. Er konnte nie selber gehen, nie rennen. Er konnte keinen Beruf erlernen. War immer auf die Hilfe anderer angewiesen. Manche Menschen haben ein schweres Los und wir wissen nicht warum. Er wird geheilt, - viele andere auch nicht. Klar ist: Die Heilung der Beziehung zu Gott hat für Gott höhere Priorität als die körperliche Heilung. Und ich habe Menschen erlebt, die in ihrer chronischen Krankheit oder starken Behinderung fröhlicher waren als manche, denen äußerlich nichts gefehlt hat. Aber ich will die Herausforderung uns gegenüber durch diese Heilung dadurch nicht abschwächen. Aber zuerst noch zwei wichtige Beobachtungen: der Gelähmte hatte Menschen, die sich um ihn gekümmert haben, die ihn regelmäßig vor den Tempel getragen haben. Auch wir dürfen solche Freunde sein. Wir dürfen Menschen im Gebet vor Gott tragen – und erwarten, dass Gott eingreift.
Der Gelähmte schaut Petrus und Johannes an und erwartet ein bisschen Geld. Petrus aber und Johannes schauen ihn genau an, sie schauen nicht auf das prächtige, mit Gold überzogen Tor, sondern sie sehen diesen armen, mit Staub bedeckten Bettler, einen Krüppel. Sie sehen nicht an ihm vorbei, sondern sie sehen ihn an. Glaube hilft uns, genau hinzuschauen. Glaube hat ehrliches Interesse am anderen, auch wenn er / sie vielleicht äußerlich nicht viel hermacht. Liebe schaut genau hin und nimmt sich Zeit. Der Bettler erwartet ein bisschen Geld, ein bisschen Mitleid - und das wars. Wie erbärmlich sind oft unsre Erwartungen Gott gegenüber. Petrus muss ihn enttäuschen und sagt: „Silber und Gold habe ich nicht!“
Unser Problem als Kirche heute ist, dass wir genau das nicht sagen können! Wir müssten sagen: „die finanziellen Mittel haben wir sehr wohl (bis zu einer bestimmten Grenze natürlich). Wir haben auch eine gut aufgestellte Diakonie. Wir haben Hilfen für Behinderte, Programme für Obdachlose. Wir haben gute KH’s und Spezialkliniken- für all das können wir dankbar sein. Wir können wirklich vielen Menschen helfen. Wir haben nur ein Manko: Wir haben wenig von der Autorität und Vollmacht des Petrus und Johannes. Petrus weiß, wer er ist. Er tritt nicht im eigenen Namen und in der eigenen Autorität auf, sondern er kommt zu dem Gelähmten in der Vollmacht und Autorität Jesu. Wir in Deutschland, in Europa leben in einer abgesicherten Welt. Wir haben alle möglichen Versicherungen. Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Lebensversicherung usw. Aber die allerbeste ist die „Jesus +“ Versicherung. Kennen sie nicht? Doch kennen sie alle. Fast jeder Christ hat sie.: Jesus +meine Freunde, Jesus+ mein Beruf, Jesus+ meine Versicherungen, Jesus+ mein Geld. Wir haben Jesus- aber daneben noch so vieles, auf das wir uns verlassen. Es ist so normal. Fast jede/r macht es so.
Aber im Grund genommen ist es die teuerste Versicherung, die man sich leisten kann. Denn sehr oft nehmen diese + das weg, was Jesus uns geben will. Sie nehmen uns unsre Vollmacht als Christ. Wir scheitern immer wieder am ersten Gebot. Ich bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Und am Doppelgebot der Liebe, dass wir Gott absolut an die erste Stelle setzen sollen und ihn von ganzem Herzen lieben sollen. An der Stelle ist Gott sehr exklusiv. Wenn wir das leben, dann wirkt auch Gottes Kraft.
Aber nun zurück zum Gelähmten. Auch der Gelähmte bekam nicht, was er wollte, sondern viel mehr. Er hat erlebt, dass der Glaube ihm Beine gemacht hat.

3.    Glaube, der Beine macht, zum Gott loben
Dieser Mann hat Gott das größte Lob gebracht, das er bringen konnte, indem er herumgerannt und gehüpft ist. er ist auf -und abgerannt und hat Gott gelobt, dass er plötzlich gehen und rennen konnte. Wenn uns der Glaube Beine macht, dann können wir fröhlich sein und Gott loben. Aber manchmal ist unser Glaube lahm geworden, müde. Gott ergreift heute Morgen auch unsre Hand. Er richtet uns auf, gerade dort, wo wir nicht mehr können. Dadurch werden andere ermutigt, weil wir sehen, das sind nicht wir selber, sondern das ist Gottes Geschenk. Und wir brauchen auch einander als Christen, als Geschwister, dass wir einander aufrichten und ermutigen. Gott schenke auch uns einen Glauben, der uns in Bewegung setzt, der uns Beine macht- zum Beten, zum Helfen, zum Loben.

Amen

Predigt 8. September, Thomas Bleher

Predigt Gottesdienst im Grünen 08.09.2019, Baum

Liebe Gemeinde,

heute Morgen werde ich ein bisschen etwas sagen über den Baum, den Wald und was das mit uns zu tun haben kann. Seit einigen Jahren leidet unser Wald, zuerst unter der Luftverschmutzung, dann unter verschiedenen Schädlingen und jetzt unter zwei extrem trockenen und heißen Sommern. Wahrscheinlich werden wir die nächsten Jahre da gravierende Veränderungen erleben, die nicht zum Besten sind. Aber ich will ihnen heute Morgen nicht Angst machen. Ich bin auch nicht da, um irgendwelche Klimaprognosen zu machen. Sondern ich will heute Morgen etwas über die Laubbäume sagen und den Wald, und was das mit uns zu tun hat. Bäume sind etwas Großartiges, sie schützen den Boden vor Abtragung, besonders in Steillagen (Christen gegen moralische Erosion). Sie sind hervorragende Wasserspeicher. Ein qm. Waldboden speichert bis zu 200l Wasser. Der Wald gleicht tägliche und jährliche Temperaturschwankungen aus. Wälder reinigen die Luft. Sie filtern Ruß und Staub aus der Atmosphäre. Und schließlich produzieren Bäume auch Sauerstoff. Aber was hat jetzt der Wald oder ein einzelner Baum mit uns persönlich zu tun?
Psalm 1: „Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt- Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht, der Frucht trägt jedes Jahr und dessen Blätter nie verwelken. Was er sich vornimmt, das gelingt.“
Wir wünschen uns doch ein gelingendes Leben. Und als Christen wünschen wir uns wahrscheinlich auch ein Leben, das Frucht bringt für uns selber und für andere. Der Psalm 1 gibt uns einen guten Hinweis, wie das passieren kann. Es ist uns allen ja klar, dass der Standort für einen Baum sehr wichtig ist. Diesen Sommer konnte man wieder viele dürre Fichten im Wald sehen, oft vor allem in den höheren Regionen im Wald. Die Erlen dagegen an der Körsch entlang, denen geht es gut, die sind grün. David rät uns, möglichst dicht an der Quelle, möglichst dicht am Wasser zu sein. Für uns bedeutet das, möglichst viel über Gottes Wort nachzudenken, es zu meditieren, es im Herzen zu bewegen. Nur dann sind wir tief verwurzelt und überstehen auch schwierige und trockene Zeiten. Wo ist unser, wo ist ihr Standort gerade?
Aber wir sollen ja nicht nur für uns selber überleben, sondern von uns soll auch Leben ausgehen für andere. Gott verspricht uns durch David ein gelingendes Leben und Frucht jedes Jahr. In der Obsternte folgt ja meistens auf ein Jahr mit sehr viel Obst ein etwas schwächeres Jahr. So soll es bei uns nicht sein.  Wenn bei uns Früchte wachsen, dann werden auch andere davon profitieren. Dann werden auch andere ermutigt oder es wird ihnen geholfen. Und so wie Bäume Sauerstoff produzieren, so sollen auch wir für unsre Umgebung sein. Wir sollen „ein Wohlgeruch Christi“ (2. Kor.2,15) sein. An uns soll etwas erkennbar sein von der Liebe und der Geduld Gottes. Wir dürfen Hoffnungsträger sein, wenn wir von Jesus angezündet sind. Und wir dürfen und sollen einen Beitrag leisten zum Schutz gegen die geistliche und moralische Erosion. Je mehr wir in der Liebe Jesu verwurzelt sind, desto mehr können wir das Leben und die Art Jesu weitergeben. Und so einen positiven Gegenpool setzen zur Gottlosigkeit und moralischen Erosion unsrer Zeit. Aber im Gegensatz zu einem Baum, der eben da steht, wo er steht, können wir den Ort wechseln. Und manchmal leider auch nicht nur gute Früchte bringen. Und wenn wir versagt haben, uns schuldig gemacht haben, dann dürfen wir Jesus um Vergebung bitten, ihm sagen, dass es uns leid tut und wir dürfen wieder neu beginnen mit seiner Liebe und seiner Kraft.

Amen