Predigt 13.10.2019, Thomas Bleher

Predigt zu Jos. 2,1-21

Liebe Gemeinde,

etwas Neues stand bevor. Lange genug waren sie in der Wüste umhergezogen. Jetzt wollten sie endlich das Land erobern und sesshaft werden. Aber das war nicht ganz so einfach. Zwei kleine Königreiche hatten sie ja bereits besiegt. Aber der Bericht der Kundschafter war ja nicht besonders ermutigend gewesen. Und jetzt standen sie vor Jericho. Das war der Schlüssel für alles weitere. Und diese Stadt war sehr stark und sehr gut befestigt. Deshalb sandte Josua Kundschafter aus. Nach dem Tod des Mose war er ja der neue Anführer der Israeliten. Auch vorher war er schon so etwas wie seine rechte Hand gewesen.

Den ersten Teil des Predigttextes haben sie ja schon vorhin in der Schriftlesung gehört. Ich lese jetzt den zweiten Teil:

Rahabs Haus lag an der Stadtmauer. So konnte sie die Männer durch eines ihrer Fenster mit einem Seil hinunterlassen, um ihnen zur Flucht zu verhelfen. Sie riet ihnen: „Lauft erst ins Bergland, damit euch die Verfolger nicht finden! Versteckt euch dort drei Tage, bis sie zurückgekehrt sind. Danach geht, wohin ihr wollt. Die beiden Männer sagten zu ihr: „Der Eid, den wir dir gegeben haben, bindet uns nur unter diesen Bedingungen: „Wenn unsre Soldaten hier eintreffen, musst du das rote Seil, an dem du uns jetzt hinablässt, an dein Fenster binden. Und deine Eltern, deine Geschwister und alle Verwandten müssen hier bei dir im Haus sein. Jeder, der nach draußen geht, ist selbst verantwortlich für seinen Tod. Wer aber bei dir im Haus bleibt und trotzdem angegriffen wird, für den stehen wir mit unserem Leben ein. Sollest du uns aber verraten, so ist unser Eid ungültig!“ „Einverstanden, antwortete Rahab. Dann half sie ihnen, ins Freie zu gelangen. Als sie fort waren, band Rahab das rote Seil ans Fenster. Die beiden Männer liefen ins Bergland und versteckten sich dort drei Tage. Ihre Verfolger suchten die ganze Strecke bis zum Jordan ab, fanden aber niemanden und kehrten schließlich nach Jericho zurück. Da verließen die beiden Israeliten ihr Versteck, stiegen von den Bergen herab und durchquerten die Jordanebene. Als sie wieder bei Josua waren, berichteten sie ihm, was sie erlebt hatten. „Der Herr gibt das ganze Land in unsre Gewalt,“ erklärten sie. Alle Menschen, die dort leben, haben große Angst vor uns.“

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie ehrlich die Bibel ist. Sie präsentiert uns keine Super Helden, keine perfekten Gläubigen, sondern Menschen, wie mich und dich mit allen Unvollkommenheiten. Und genauso mit all ihren Fehlern und Schwächen kann er sie trotzdem gebrauchen. Da ist die Prostituierte Rahab - also nicht gerade ein moralisches Vorbild und sie hat sicher keinen dogmatisch blitzsauberen Glauben vorzuweisen und dennoch wird sie in der Bibel als Vorbild des Glaubens genannt. 

1.    Glaube geht ein Risiko ein
Rahab geht ein großes Risiko ein, zumal sie sicher sowieso keine besonders hohe Stellung hatte. Wenn die Kundschafter  bei ihr entdeckt worden wären, dann hätte das mindestens Gefängnis bedeutet für sie, wenn nicht sogar noch Schlimmeres. Denn immerhin bietet sie potentiellen Feinden Unterschlupf. Aber sie tut völlig ahnungslos, belügt die Soldaten des Königs und beschützt so die Fremden. Weshalb macht sie so etwas? Denn sie stellt sich damit gegen ihr eigenes Volk, gegen ihre eigene Herkunft und wahrscheinlich auch alles, was sie früher mal geglaubt hat.
Wie sie zu diesem neuen Glauben, der wahrscheinlich noch relativ wacklig war, gekommen ist, wissen wir nicht. Wahrscheinlich hat sie, wie alle andere auch gehört, was Gott an Israel getan hat, dass er sie aus Ägypten befreit hat, dass er dieses Wunder am Schilfmeer getan hat und dass sie die beiden Könige Sihon und Og besiegt und ausgelöscht haben. Und irgendetwas hat bei ihr gezündet, dass dieser Gott ein mächtiger Gott ist, dem man vertrauen kann. Sie hat sich damit von ihrem alten Glauben und allen Sicherheiten abgewendet.
Wo vertrauen wir Gott- oder wo verlassen wir unsre Absicherungen und vertrauen uns Gott an? Denn so viel ist klar: Nur das Vertrauen auf Gott macht Erfahrungen im Glauben. Solange wir uns rundum absichern, werden wir wenig Erfahrungen machen.

2.    Glaube macht mutig
Rahab stellt sich gegen ihr eigenes Volk. Sie richtet sich aus auf einen Gott, den sie noch gar nicht richtig kennt. Aber sie richtet sich aus auf etwas Zukünftiges. Es ist kein starker Soldat oder gar Feldherr, der Mut beweist, sondern eine verachtete Frau. Sie beweist eine erstaunliche und praktische Klugheit und Mut, den sonst keiner in der Stadt hat. Im Gegenteil, sie sagt: die ganze Bevölkerung von Jericho ist ängstlich und mutlos vor Israel. Sie aber wendet sich mutig dem neuen Glauben zu und einem Gott dem sie vertraut, obwohl sie ihn noch gar nicht richtig kennt. Das verändert ihr Leben. Im Gegensatz zu allen anderen in der Stadt hat sie Mut und eine Zukunft. Alle anderen Bewohner der Stadt schlottern vor Angst, dass sie von Israel erobert werden könnten. Es lohnt sich auch für uns, ihm zu vertrauen, auch wenn die Umstände manchmal ganz anders aussehen.

3.    Gott schreibt Geschichte
Gott schreibt Geschichte nicht mit irgendwelchen Superhelden, sondern mit ganz normalen Menschen. Mit Vorliebe sogar mit Menschen, die im Abseits stehen, die nichts besonders sind, die nicht anerkannt sind, zu klein, nicht sprachbegabt usw. Gott wird Mensch, er beugt sich ganz tief hinunter. Auch eine Prostituierte, die eigentlich aus einer anderen Religion kommt hat bei ihm ihren Platz. Durch ihr Vertrauen zu dem Gott Israels wird ihr Leben bewahrt und sie wird sogar zur Ur-Urgroßmutter von König David. So sehr wird Gott Mensch in Jesus, dass er sich nicht schämt, eine Prostituierte in seine Ahnenreihe zu haben. Gott kann etwas mit uns anfangen mit allen Ecken, Kanten und Fehlern, wenn wir uns ihm nur anvertrauen.

4.    Glaube wird zum Segen für andere
Die eine Person, Rahab, wird zum Segen für ihre ganze Familie. Weil sie glaubt, dass der Gott Israels der wahre Gott ist, deshalb wird ihre ganze Familie mit Eltern, Geschwistern und allen Angehörigen vom sicheren Tod gerettet. Und so glaube ich auch, dass ein Gläubiger in einer Familie zum Segen wird für die ganze Familie. Ja, Gott wird unser Vertrauen und unseren Glauben segnen, so dass auch andere oder sogar die ganze Familie gerettet werden kann und zum eigenen Glauben finden kann. Gott kann Menschenherzen verändern.  Er kommt zum Ziel mit uns und unser Glaube kann für andere aus unsrer Familie der entscheidende Faktor sein. 

Amen