Predigt zu Matthäus 9,35 bis 10,10, Thomas Bleher

Liebe Gemeinde,

wo man hinschaut werden Mitarbeiter gesucht, seien es Verkäufer bei Bäckereien oder beim Metzger. Handwerker suchen dringend Verstärkung im Team. Pflegekräfte werden überall dringend gesucht. Und Deutschland insgesamt hat einen Mangel an Fachkräften, deshalb wird hier sogar international geworben. Auch Jesus sucht Fachkräfte für einen ganz wichtigen Job. Hören sie mal die Stellenanzeige Gottes.
Mt.9,35-10,10: „Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern. „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Und er rief seine 12 Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unreinen Geister, dass sie die austreiben und heilten alle Krankheiten und alle Gebrechen. Diese 12 sandte Jesus aus, gebot ihnen und sprach: „Geht nicht den Weg zu den Heiden und zieht in keine Stadt der Samariter, sondern geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. Geht aber und predigt und sprecht: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. Ihr sollt weder Gold noch Silber noch Kupfer in euren Gürteln haben, auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.“


1.    Hingehen
Als Kirche haben wir verschiedenste Angebote: musikalisch, sportlich oder Kreise zum Austausch, usw. Verschiedene Kreise für verschiedene Altersstufen, für Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche. Auffällig aber bei Jesus ist, dass er selber hingegangen ist. Dass er nicht ein Büro eröffnet hat in Jerusalem oder in Kapernaum und gesagt hat: So jetzt kommt mal alle zu mir, wenn ihr etwas wollt, sondern er ist zu den Menschen gegangen. Und er ist nicht nur in große Orte gegangen, sondern er hat auch die ganzen kleinen Ortschaften aufgesucht. Er hat die Gottesdienste besucht, aber er ist auch dorthin gegangen, wo die Menschen waren, beim Fischen, auf dem Marktplatz usw. Er hat sie dort abgeholt, wo sie waren.
Sehen wir die Menschen in unsrer Umgebung?  Gehen wir zu ihnen hin, oder erwarten wir, dass sie in unsre Gruppen und Kreise kommen?
Wie ist das heute mit der Ernte? Manchmal beklagen wir uns, dass hier ein harter Boden sei. Rein theoretisch leben wir in einem christlichen Land, aber sehr viele haben dennoch überhaupt keine Ahnung vom christlichen Glauben.  Da ist es wichtig, dass wir unsren christlichen Glauben leben und Menschen einladen.

2.    Wahrnehmen und mitfühlen
Von Jesus heißt es. „Als er das Volk sah, jammerte es ihn.“ Es lässt Jesu nicht kalt, dass das Volk orientierungslos ist. Er sieht, wie verloren sie sind und es dreht ihm das Herz um, er hat Mitleid, weil sie nicht wissen, wohin ihr Leben geht und was der Sinn ihres Lebens ist. Sehen wir die Menschen um uns herum, die einsam sind? Sehen wir die Jugendlichen, die keine Hoffnung haben, die nicht wissen, wie sie ihr Leben auf die Reihe bekommen sollen? Die vor lauter Möglichkeiten nicht wissen, welchen Weg sie gehen sollen. Die Kranken, die an einer schweren oder chronischen Krankheit leiden, die sie oft an den Rand bringt. Und wo dann immer wieder auch die Frage auftaucht, ob Gott sie vergessen hat, oder sie bestrafen will, dass er ihnen so etwas Schweres auflädt. Bitten wir Gott um dieses Mitgefühl und um sehende Augen. Und jede/r der das Gefühl hat. Gott hat mich vergessen, er übersieht mich und meine Not, kann ich sagen: Gott sieht dich und er leidet mit dir und er ist schon auf dem Weg.

3.    Beten
Als Jesus die Not sieht, beruft er einen Ausschuss ein, der mit großem Budget erst mal eine Bestandsaufnahme macht und dann mehrere Aktionspläne ausarbeitet, wie man dieser Not begegnen kann. Nein, so würden wir heute das wahrscheinlich machen. Jesus macht es nicht so. Er sagt: „Die Ernte ist groß, aber es sind zu wenig Arbeiter. Deshalb bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende. Der erste und wichtigste Schritt ist, dass wir Gott bitten, dass er „Facharbeiter“ sendet. Wir dürfen ihn bestürmen, ihm in den Ohren liegen, dass wir Mitarbeiter brauchen, die fröhlich bezeugen in Wort und Tat, dass Gott diese Welt noch nicht vergessen hat und dass er verändern kann. Aber das sind nicht besonders qualifizierte Profis, das sind auch nicht nur die Hauptamtlichen, sondern das sind ganz normale Christen, wie sie heute Morgen. Gott kann mit ganz normalen Menschen viel bewirken. Sie müssen sich ihm nur zur Verfügung stellen. Wir meinen ja manchmal die Jünger damals seien ganz besonders toll und fähig gewesen. Aber schauen wir uns nur ein paar davon an.
a)    Petrus: Der war immer vorne dran, der hat manches richtig gemacht, aber er hatte auch eine große Klappe und als es wirklich drauf ankam hat er plötzlich behauptet, noch nie etwas mit Jesus zu tun gehabt zu haben.
b)    Oder Jakobus und Johannes, Jesus nennt sie Donnersöhne. Wohl zurecht, denn einmal, als Jesus in einem Dorf der Samaritaner nicht aufgenommen wird wollen sie Feuer vom Himmel fallen lassen, um das Dorf zu bestrafen.
c)    Thomas ist ein Zweifler, der handfeste Beweise will für die Auferstehung.
d)    Simon Kannanäus ist ein Zelot. Das heißt, er war ein Widerstandskämpfer, der auch vor Gewalt nicht zurückscheute um die ungeliebten Römer aus dem Land zu vertreiben.
Und mit dieser Truppe hat es Jesus geschafft, die Welt zu verändern. Dann kann er auch uns gebrauchen.

4.    Verkündigen und heilen
Jesus hatte vor allem ein Thema: die Königsherrschaft Gottes. Darüber hat er gepredigt und gelehrt. Aber Jesus hat nicht nur davon geredet, sondern er hat es auch ganz praktisch gezeigt, indem er Menschen gesund gemacht hat von allen möglichen Krankheiten. Und er hat es demonstriert, dass Gott der Herr ist über alle Mächte, indem er Menschen von dämonischen Belastungen frei gemacht hat. Die Herausforderung ist: Wie sieht das heute bei uns aus? Jesus hat diesen Auftrag nie zurückgenommen. Wenn wir seine Jünger sind, dann gilt der auch für uns noch heute. Beten wir mit kranken Menschen? Erwarten wir Veränderung und Heilung durch Gott? Es ist unser Auftrag und es ist gut, wenn wir es tun in dem Wissen: Wir können keine Kranken heilen, aber Jesus kann alles. Er ist der König und Herr der Welt.

Amen