25. August 2019, Thomas Bleher

Predigt zu Mk. 12,28-34

Liebe Gemeinde,
Wenn sie Jesus etwas fragen dürften, was würden sie fragen?  Vielleicht, weshalb manche Menschen so früh sterben oder so viel leiden müssen? Oder: Weshalb gibt es so viele christliche Denominationen und Gruppierungen? Vielleicht eine ganz banale Frage: Was für einen Sinn haben Schnaken? Aber ich weiß nicht, ob wir die Frage gestellt hätten, die ein Schriftgelehrter hatte: „Welches ist das höchste Gebot?“
Predigttext: Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er in: „Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: „Höre Israel, der Herr unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn deinen Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deine Kräften.“ Das andere ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 

1.    Gottes Bund mit Israel
Gott hat mit Israel Geschichte geschrieben. Er hat einen, bzw. mehre Bundesschlüsse mit dem Volk Israel. Gott hat sich Israel offenbart, als der allmächtige Gott und zugleich als ein liebender Vater, der für sein Volk sorgt und es schützt und bewahrt. Er hat mit ihnen Geschichte geschrieben. Dieser allmächtige Gott ist persönlich geworden. Er hat sich exklusiv an Israel gebunden. Er hat einen Bund geschlossen mit den Erzvätern (Abraham, Isaak und Jakob). Er hat beim Auszug aus Ägyptern sich als der allmächtige Gott erweisen, größer und stärker als der Pharao, der damals der König einer Weltmacht war. Aber weshalb hat Gott sich dieses mickrige Volk ausgesucht? Dafür gibt es keine rationale Erklärung. Er hat sie nicht ausgesucht, weil sie größer, besser stärker, oder sonst etwas wären. Sondern allein, weil er sie liebhat. (5. Mo. 7,7) Und für Liebe gibt es keine rationale Erklärung. Und diese Erwählung hat Gott nie zurückgenommen. Wir als Christen sind nicht an die Stelle Israels getreten, sondern können bestenfalls dazukommen als der jüngere Bruder, der mit Respekt und Achtung seinem älteren Bruder begegnet. Wie sagt Paulus: „Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen.“ (Röm. 11,29)  (Schriftlesung). Dass Gott nicht ein fremder, anonymer Gott ist, sondern ein persönlicher, der sich uns zuwendet, das gilt zuerst dem Volk Israel- und dann durch Jesus auch uns, den anderen Völkern. Unser Gott, den wir bekennen und an den wir glauben, ist der
Gott Israels.

2.    Auf Gott hören
„Höre Israel, der Herr, unser Gott ist der Herr allein…“ Höre, Gemeinde von Denkendorf! Gott hat euch etwas zu sagen. Geht nicht euren Gedanken nach! Nicht euren eigenen Plänen! Hört auf Gott! Hört auf Jesus! Er will die Prioritäten setzen. Jesus will mit uns reden, er will uns begegnen. Vor allem Tun steht das Hören auf Gott. Denn sonst sind es nur unsre eigenen Worte, und die bringen kein Leben. Leben und Veränderung bringen nur die Worte Gottes.

3.    Uneingeschränkte Liebe zu Gott
Immer wieder machen wir uns als Kirchengemeinde Gedanken, wie unsre Gottesdienste so sein können, dass sie möglichst viele ansprechen und Heimat bieten können. Oder wir versuchen mit unsrer Diakonie oder auch in einzelnen Fällen möglichst gut und hilfreich für Menschen da zu sein. Das ist alles gut und wichtig und ich werde nachher zu der Hilfeleistung auch noch etwas sagen.
Aber all das hat für Jesus nicht die erste Priorität. Die absolut erste Priorität für Jesus hat die Liebe zu Gott. Und zwar absolute, uneingeschränkte Liebe. Ich habe mich gefragt, wie kann das aussehen?
a)    Wenn ich jemand lieben soll, dann muss ich ihn/sie zuerst einmal kennen. Ohne in der Bibel zu lesen und ohne im Gespräch mit Gott zu sein, kann ich ihn nicht kennenlernen.
b)     Ich kann jemand nur kennenlernen, wenn ich Zeit mit der Person verbringe und im Gespräch mit ihr bin. Bei Gott ist das nicht anders. Du der erste Schritt ist, wen ich zu Gott komme, zu sagen: Hier bin ich, beschenk mich. Ich geb dir alles, was ich an Gedanken und Wünschen in mir habe. Füll du mich mit deinen Gedanken, mit deine Wünschen, mit dem, was dir auf dem Herzen liegt. Füll mich mit deiner Liebe.
c)    Nach Gott fragen: Der Pharisäer fragt Jesus. Er war sich sicher nicht bewusst, dass Jesus Gottes Sohn ist, aber er hat gemerkt, dass Jesus Autorität hat. Es ist auch für uns wichtig, dass wir Jesus immer wieder im Lauf der Woche und den Tag über fragen: „Jesus, was ist dir wichtig, was hat für dich Priorität? Denn Jesus ist der Sohn Gottes du weil er zugleich  , sehen wir in ihm das Wesen Gottes.  willst du, wo soll ich meine Kraft einsetzen, wer braucht mich? Und zuerst einmal Zeit mit ihm verbringen
d)    Gott gehorchen: Wenn wir etwas kapiert und verstanden haben, was Gott wichtig ist, was er von uns möchte, dann ist es wichtig, dass wir das auch umsetzen, dass wir auch Schritte gehen. (Ev. Stille lassen, Stifte, um das aufzuschreiben).
e)    Gott an die erste Stelle setzen. Das heißt, dass ich nicht einfach Pläne mache, sondern Gott mit einbeziehe in meine Planung und frage:  Jesus, was ist dir wichtig? Dass ich sein Wort lese und mich danach ausrichte. Und auch, dass Gott in meiner Terminplanung einen festen Platz hat und nicht einfach dann, wenn zufällig mal irgendwie noch Zeit übrig ist.
Diese Liebe zu Gott ist nicht in erster Linie ein romantisches Gefühl, sondern sie hat viel mit meinem Willen zu tun, Gott an die erste Stelle zu setzen. Natürlich gehören auch meine Gefühle dazu, die sind nicht ausgeschlossen. Immer wieder wird es dabei dann auch um den ganz praktischen körperlichen Einsatz gehen. Die Liebe zu Gott ist mehr als alle Opfer. Liebe ist eine lebendige Beziehung, zu der meine ganze Person gehört. Ein Opfer kann ich bringen auch aus reinem Pflichtgefühl, ohne große innere Beziehung. Aber Liebe, dazu gehört mein ganzer Mensch mit meinem Willen, meinem Körper, meiner Kraft und meinen Gefühlen.

4.    Uneingeschränkte Liebe zu meinem Nächsten
Meistens wissen wir, was das bedeutet und wie das praktisch aussehen kann. Nur wollen wir nicht immer, weil es etwas kostet, z.B. die eigene Bequemlichkeit. Weil ich glaube, dass wir es im Inneren sehr wohl wissen, will ich nur drei kurze Stichworte nennen:
a)    Den/die andere erst einmal wahrnehmen, ansehen, begrüßen. Ganz banal. „Grüß Gott sagen“. Vielleicht auf jemand Fremdes zugehen und nicht nur bei denen stehen bleiben, die wir schon lange kennen. Sehen wir auch die, die am Rande stehen, die nicht zu unsren frommen Kreisen gehören, die vielleicht anders sind?
b)    Ihn/sie so annehmen, wie er /sie ist, ohne Vorurteile. Erst einmal Interesse zeigen an meinem Gegenüber, selbst wenn er völlig anders ist wie ich und nicht zum frommen Stall gehört. Er/sie ist von Gott genauso geliebt wie ich. Wer bin ich, einen anderen Menschen zu be- oder gar zu verurteilen?
c)    Hilfe leisten, dort, wo es notwendig ist. Die erste und wichtigste Hilfe ist oft, erst einmal Zeit zu nehmen, zuzuhören, dass der betreffende Mensch das Gefühl hat, er wird ernst genommen, er ist wichtig genug, dass ich ihm zuhöre. Manchmal ist es aber auch wichtig, da zu sein und vielleicht ganz praktisch anzupacken, helfen, eine Wohnung auf- oder auszuräumen. Für jemand einen Botengang zu machen, auf ein Amt zu begleiten oder ganz praktisch anzupacken.

5.    Uneingeschränktes Ja zu mir selber
Gott hat mich wunderbar und einzigartig gemacht. (Ps. 139,14) Ich bin geliebt von Gott. (Joh.3,16/ Segen. Jesus hat sein Leben für mich und für dich gegeben, das macht mich wertvoller als Bill Gates, wertvoller als Coca-Cola oder Microsoft. Ich bin bestimmt zum Erbe Gottes, darf einmal bei ihm sein. Ich bin Ebenbild und Gegenüber Gottes. All das ist Grund genug mich selber anzunehmen und zu lieben, selbst wenn ich mich gerade nicht so fühle. Amen