Auferstehungsfeier Ostermorgen

Liebe Schwestern und Brüder,
es sind die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab kommen, um Jesus ein allerletztes Mal die Ehre zu erweisen. Wohlriechende Öle und Salben haben sie bereitet, um seinen Leichnam zu salben. Doch trotz aller sorgfältigen Vorbereitung kommen sie vergeblich: das Grab ist offen, vom Leichnam Jesu keine Spur. Das Grab ist leer, so leer wie das Grab in der Krypta der Klosterkirche. Traurig, bekümmert stehen die Frauen da, enttäuscht, dass sie Jesus diesen letzten Dienst nun nicht mehr erweisen können. Es hätte ihnen gut getan, sich seinem geschundenen Körper zu widmen. Es wäre wichtig gewesen für sie, um Abschied zu nehmen zu können.

Viele Rituale, die traditionell zu einer Beerdigung gehören, haben ihren guten Sinn. So schwer es auch sein mag, es kann eine große Hilfe sein, für den geliebten Menschen, der gestorben ist, noch etwas zu tun. Den Frauen am Ostermorgen ist das ein selbstverständliches Bedürfnis. Sie wollen Jesus noch ein letztes Mal etwas Gutes tun. Doch sie kommen zu spät. Totenpflege ist hier nicht mehr möglich, nicht mehr nötig: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?! Wie gern würden manche von uns diesen Satz heute hören, hier auf dem Friedhof, gesagt über ihre Angehörigen, die sie hier zu Grabe tragen mussten?! Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?! Heute morgen bekommen wir alle diesen Satz zu hören, diesen Satz, in dem sich das Osterwunder bündelt wie in einem Brennglas. Die Frauen suchen Jesus, und sie tun recht daran. Aber sie suchen ihn an der falschen Stelle. Es stimmt, er ist am Kreuz gestorben. Es stimmt, er wurde hier begraben. Aber jetzt ist er nicht mehr hier. Das Grab konnte ihn nicht halten. Der Tod konnte ihn nicht halten. Keiner konnte ihn halten. Am Grab Jesu werden sie alle zunichte: der Tod und alle Mächte dieser Welt, die so gern mit dem Tod regieren; und auch die Mächte, die über diese Welt hinausreichen. Jesus ist ja selbst das Leben. Da hat der Tod keine Chance.

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?! Dieser Satz, diese Botschaft gilt uns heute Morgen hier auf dem Friedhof. Der Tod, so mächtig er auch scheinen mag, so wüst und unerbittlich er sich auch immer wieder gebärden mag, er ist geschlagen. Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Er, der Lebendige, ist stärker als der Tod. Es ist so, wie wir eben gesungen haben: “Er war ins Grab gesenket, der Feind trieb groß Geschrei; eh er‘s vermeint und denket, ist Christus wieder frei und ruft Viktoria, schwingt fröhlich hier und da sein Fähnlein als ein Held, der Feld und Mut behält.” Nicht der Tod behält das Feld, sondern Er, der Lebendige, Christus, unser Held. Darum kommen wir am Ostermorgen hierher: auf den Friedhof, an unsere Gräber. Manchen unter uns fällt es nicht leicht, gerade hier Ostern zu feiern. Der Tod reißt immer noch große Lücken in unser Leben. Die Trauer hinterlässt immer noch tiefe Wunden in unserer Seele. Und doch kommen wir heute hierher, gerade hierher, um hier zu hören: Tod, wo ist dein Sieg?! Tod, wo ist dein Stachel?!

Wie leicht könnte der Tod uns antworten, könnte auf all die Gräber hier ringsum zeigen! Lauter Beweise für seine immer noch nur allzu wirksame Macht. Und doch: das eine leere Grab kann er nicht mehr aus der Welt schaffen. Und auch den einen, der nicht mehr unter den Toten zu finden, kann er nicht mehr aus der Welt schaffen. Er lebt und ist nicht mehr totzukriegen.  Und bei dieser einen, ersten Niederlage des Todes wird es nicht bleiben. Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Er ist der erste; wir anderen werden folgen: Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Es ist wahr: Wir sind immer noch Kinder Adams. Darum müssen wir immer noch sterben. Aber das andere ist auch wahr: Wir sind auch Kinder Gottes, die lebendig gemacht werden in Christus Jesus.

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Nicht der Tod ist unser Ziel, sondern das Leben. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich, von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht, dies ist meine Zuversicht. Manchmal fällt es uns schwer, daran festzuhalten. Die Macht des Todes scheint nur allzu oft immer noch übermächtig. Darum ist es so wichtig, dass wir Ostern feiern! Darum ist es wichtig, dass wir uns immer wieder daran erinnern lassen: Der Tod behält nicht das letzte Wort. Er ist besiegt! Das letzte Wort behält Christus, der Auferstandene. Er ist der Lebendige, gestern, heute und in Ewigkeit. Er ist das Leben auch für uns. Er schafft Leben noch im Tod.


Amen.