Gedanken für den Tag

Mittwoch, 3. Juni 2020 - Rolf Noormann

Familien als Kraftzentren


Die Corona-Pandemie ist anstrengend für Familien. Vieles, was sonst im Alltag halbwegs gut organisiert war, ist jetzt weggebrochen. Homeschooling ist kein Vergnügen, und wenn dann noch home office dazu kommt, wird es ein schwieriger Balanceakt. Dazu ist in den Medien gerade viel zu hören. Mir fehlt die andere Seite. Dass es gut tut in diesen Zeiten, in einer Familie zu leben und nicht allein. Dass Kinder sich freuen, mehr Zeit mit ihren Eltern zu verbringen, und umgekehrt. Es irritiert mich, dass so selten die positiven und kreativen Auswirkungen auf das Familienleben thematisiert werden. Steht es wirklich so schlimm? Das mag ich nicht glauben. Und es entspricht auch nicht dem, was ich selbst wahrnehme und von anderen höre. Familien sind auch Kraftzentren. Orte, an denen ich Halt und Geborgenheit finden kann. Und den Mut, mich den aktuellen Herausforderungen zu stellen.

Pfingstmontag, 1. Juni 2020, und Dienstag 2. Juni - Rolf Noormann

 

Sehnsucht nach Glück


“Der Mensch ist das einzige Wesen, welches vermisst, was es nie besessen hat. Und die Gesamtheit dessen, was wir vermissen, ohne es je besessen zu haben, ist das, was wir Glück nennen” (José Ortega y Gasset). Verrückt! Wie können wir etwas vermissen, was wir nie hatten? Vermissen heißt doch: etwas Verlorenem nachtrauern. Offenbar haben wir etwas verloren, was wir gar nie besessen haben. Die Bibel sagt: Wir haben es “in Adam” verloren, lange bevor es uns selbst gab. Unsere Sehnsucht reicht weit über uns hinaus. Genauer gesagt: sie reicht weiter hinter uns selbst zurück zu unseren Vorvätern und -müttern durch die Jahrhunderte hindurch. Deshalb sind wir ansprechbar auf all die Glücksversprechen der Werbung und der Konsumindustrie. Erfüllung finden wir so allerdings nicht. Unsere Sehnsucht nach Glück wird erst dann gestillt sein, wenn Gott selbst wieder herstellt, was verloren gegangen ist. Bis dahin bleibt die Sehnsucht eine Erinnerung an das, was uns fehlt.

Sonntag, 31. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Gute Verbindung



In den Anfangswochen der Corona Krise, als plötzlich fast alle im Home office waren, waren plötzlich manche Server und manche Leitungen völlig überlastet. Sie waren für so große Datenmengen einfach nicht ausgelegt. Inzwischen wurde da vielerorts natürlich nachgebessert, so dass diese Probleme kaum mehr vorkommen. Wie gut haben wir es, dass der Server bei Gott nie zusammenbricht. Wir können zu jeder Tages- und Nachtzeit uns mit Gott in Verbindung setzen und haben immer direkten Anschluss. Und egal wie viel Millionen oder Milliarden Menschen das gleichzeitig machen, der Server ist nie überlastet. Seit Pfingsten haben wir eine Direktleitung zu Gott. Der Heilige Geist unterstützt uns sogar, wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen. Er ist sozusagen der direkte Übersetzer, so dass es richtig bei Gott ankommt. Was für ein Vorrecht. Wie oft nutzen sie dieses Angebot der Komfort- Telefonie?  „Denn der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.“  Röm. 8,26
In diesem Sinne ein gesegnetes Pfingstfest

Samstag, 30. Mai 2020, Rolf Noormann

Wer ist gescheit?


Da hat ein junger Mann sein Examen geschafft. Wahrscheinlich hat er dafür ganz schön ackern müssen. Vermutlich ist er auch ein klein wenig stolz auf seine Leistung. Christoph Blumhardt mag da nicht einstimmen. Er schreibt ihm: “Sonst aber denke nicht so viel über Dich nach. Lebe kindlich in der Zeit, die eben ist. Ein Kind ist deswegen so gescheit, weil es über sich selbst nicht nachdenkt und darum frei bleibt für die Außenwelt.” Wer sich selbst bespiegelt, verpasst das Entscheidende. Gescheit ist nicht, wer ein Examen geschafft hat und sich deshalb für gebildet hält. Gescheit sind die Kinder, die nicht wissen, was sie können, weil sie gar nicht über sich selbst nachdenken. Deshalb sind sie ganz offen für das, was um sie herum geschieht, und viel aufmerksamer als die meisten Erwachsenen. Ob wir so kindlich leben können? Ganz offen für die Außenwelt, ohne auch nur einen Gedanken an uns selbst zu verschwenden? Dann wären wir gescheit.

Freitag, 29. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Gute Nachrichten


Wenn wir Nachrichten hören oder sehen, dann rechnen wir damit, dass es schlechte Nachrichten sind: Probleme, Katastrophen, Bombenanschläge usw. Oder seit Mitte März die steigenden Corona- Fälle weltweit. Wir rechnen kaum damit, dass es auch gute Nachrichten gibt. Die Bibel aber ist voll mit guten Nachrichten.
Das Neue Testament ist eigentlich eine einzige gute Nachricht: Gott wird Mensch und kommt zu uns, damit wir wieder Kinder Gottes sein dürfen. Wir müssen nicht mehr selber für Erlösung sorgen, sondern Jesus hat uns schon erlöst. Diese guten Nachrichten dürfen wir weitersagen.

Donnerstag, 28. Mai 2020, Rolf Noormann

 

Ein Meisterstück


Im Evangelischen Gesangbuch findet sich ein beeindruckender Satz des schwäbischen Kaufmanns und Missionars Elias Schrenk (1831–1913): “Jeder Mensch ist ein Meisterstück göttlicher Geduld, Weisheit, Gnade und Liebe.” Wer Meister werden wollte, musste jahrhundertelang mit einem Meisterstück sein handwerkliches Können unter Beweis stellen. Als Schöpfer ist auch Gott so etwas wie ein Handwerksmeister. Die Schöpfung ist so reich an großartigen Dingen, dass wir aus dem Staunen nicht herauskommen. Inmitten all dieser großartigen Dinge aber, so behauptet Elias Schrenk, ist der Mensch das Meisterstück. Nein, nicht der Mensch, sondern jeder einzelne: Sie, ich und die anderen auch. Unzählige Meisterstücke. Und auf jedes dieser Meisterstücke verwendet Gott all seine Geduld und Weisheit. Damit wir so werden, wie wir sein sollen. Noch feilt er an uns. Noch braucht er viel Geduld. Doch dank seiner Gnade und Liebe wird er sein Werk vollenden. Auch an uns.

Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Schale - Bernhard von Clairvaux


Wenn Du vernünftig bist,
erweise Dich als Schale,
nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt,
während jene wartet, bis sie gefüllt ist.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt,
ohne eigenen Schaden weiter.
Lerne auch Du, nur aus der Fülle auszugießen,
und habe nicht den Wunsch, freigiebiger als Gott zu sein.
Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist,
strömt sie zum Fluss.
Du tue das Gleiche!
Zuerst anfüllen und dann ausgießen.
Wenn Du nämlich mit Dir selbst schlecht umgehst,
wem bist Du dann gut?

Dienstag, 26. Mai 2020, Rolf Noormann


Mit Geld Gutes tun


Manche Leute tun mit ihrem Geld Gutes – und werden deshalb gehasst! Bill Gates zum Beispiel. Warum ist das so? Vielleicht, weil manche sich uneigennütziges Handeln gar nicht vorstellen können. Oder weil sie selbst mit ihrem Geld niemandem etwas Gutes tun. “Kill Bill”, so war auf Plakaten bei den Anti-Corona-Demonstrationen in Stuttgart zu lesen. Tötet Bill Gates! Und warum? Weil seine Frau und er eine Stiftung ins Leben gerufen haben, die sich seit vielen Jahren dafür einsetzt, dass die Ärmsten der Armen grundlegende medizinische Hilfe bekommen. Zum Beispiel Impfungen. Oder Hilfe gegen Malaria und Tuberkulose. Sie tun das, weil es niemand sonst getan hat – nicht zuletzt, weil an den Armen gerade nichts zu verdienen ist. Melinda und Bill Gates sind barmherzige Samariter unserer Zeit. Sie kümmern sich um die, an denen die anderen achtlos vorbei gehen. Jesus hat die Geschichte offenbar nicht zu Ende erzählt. Die Reaktion der anderen fehlt noch. Sie hassen den barmherzigen Samariter. Weil er Gutes tut.

Montag, 25. Mai 2020 - Thomas Bleher

 

Regen


„Schade, es regnet“, sagt derjenige, der gerade ein Sonnenbad nehmen will. „Gott sei Dank, es regnet“, sagt der Landwirt, der Salat und anderes Gemüse gepflanzt hat. Oder der um sein Getreide bangt, dass es zu wenig Wasser hat und dann vielleicht nur zur Notreife kommt mit weniger Ertrag. Natürlich brauchen wir Sonne und es tut gut, wenn es hell ist und die Sonne scheint. Aber genauso notwendig brauchen wir auch den Regen. Wir können ihn nicht machen, aber wir dürfen Gott darum bitten. Gott ist gnädig, aber er will gebeten sein.
„Du suchst das Land heim und bewässerst es und machst es sehr reich.“ Ps. 65,10 Wir leben vom Segen Gottes und dürfen dankbar sein für jeden Tropfen Regen, den Gott uns schenkt.

Sonntag, 24. Mai 2020, Rolf Noormann

 

Gönnerhaft




“Das gönn ich mir” – in unserer Zeit eine verbreitete Einstellung. Ein neues, schickes Auto. Ein Riesenflachbildschirm. Eine Reise auf die Malediven. Das gönne ich mir, das bin ich mir wert. Gegenüber der Sparsamkeit früherer Generationen, die sich “nichts gegönnt” haben, hat das vielleicht etwas Befreiendes. Dennoch bleibt da für mich ein schaler Beigeschmack. Ursprünglich bezog sich das Gönnen auf andere, denen ich etwas zugestehe. Zum Beispiel, dass sie sich nach all der Plackerei auch einmal etwas leisten können, ein Auto zum Beispiel oder eine Urlaubsreise – es muss ja nicht gleich so schick und so exotisch sein wie bei mir. Selbst hier hat das Gönnen leicht einen schalen Beigeschmack. Provozierend sagt Benyoëtz: “Gönnen ist Missgunst”. Offenbar steckt im Gönnen etwas Gönnerhaftes, das von oben herab kommt. Es gönnt dem anderen nur solange etwas, als er damit unter dem eigenen Niveau bleibt. Sich einfach mitzufreuen mit dem anderen, könnte eine Alternative sein.

Samstag, 23. Mai 2020 - Fritz Hammann

 

Zerbrechlich           



Es ist oft ein Ziel in unserem Leben, Orientierung, Sicherheit und möglichst viel Kontrolle entwickeln zu können. Doch die letzten Wochen haben gezeigt, wie anfällig, verletzlich und zerbrechlich unsere Lebensverhältnisse sein können. Gewohnte Sicherheiten sind erschüttert worden und wir haben vielfach erlebt, wie schnell die Kontrolle über bestimmte Lebensbereiche verloren gehen kann. Und was geschieht, wenn die Zerbrechlichkeit des Lebens spürbar wird, wenn vielleicht Gefühle von Angst und Hilflosigkeit aufkommen?
Vor kurzem traf ich einen Freund, der von einem frühen Morgenspaziergang zurück kam. Er schilderte voll Begeisterung die Zeit der Dämmerung vor dem Sonnenaufgang, die erwachende Natur, die singenden Vögel, die Ruhe und Stille, die ihn innerlich stärkte und er meinte dann: „Am frühen Morgen den Tag zu erwarten, ist etwas Kostbares. In dieser Stimmung der Erwartung liegen für mich Geheimnisse und Hoffnungen und ich bin gespannt, was der Tag bringen wird“.
Es ist mir in dieser Situation eingefallen, dass wir früher in der Schule bei der Morgenandacht öfters den Choral gesungen haben: „All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu…“
Wenn man sich auf diese Gedanken einlassen kann, wird die Zerbrechlichkeit in einem größeren Rahmen aufgehoben.         

Freitag, 22. Mai 2020, Brigitte Hage

 
Wer bin ich?


Eberhard Seyfang ist Diakon i.R. und hat zur eigenen Reflexion aufgeschrieben, wie er bis jetzt durch diese „Coronazeit“ gekommen ist. Er sagte mir, dass er diese schwierige Zeit als Chance sah, um sich in seinem Alter neu zu hinterfragen. Mich haben die ehrlichen Worte dieses älteren Mannes sehr angerührt. Hier auszugsweise seine Gedanken im Wortlaut:

Meine Identität und meine Bedeutung habe ich, wenn ich ehrlich bin, stets von den Menschen, mit denen ich zusammen war und die mir deutlich machten, wie wichtig ich für sie bin und was für ein guter und interessanter Mensch ich bin. Jetzt ist niemand mehr da, der mich aufbaut und mir sagt, wie wichtig ich bin und welche Fähigkeiten ich habe. Ich bin auf mich selbst angewiesen. …

Dieser, Gott unser Vater, ist immer bei uns und trägt uns, in Freude und in Trauer. Das habe ich selbst erlebt, vor zwei Jahren, als meine Margret plötzlich gestorben ist. Jetzt kann ich ganz anders damit umgehen, weil ich erfahre, dass ich, auch wenn ich nicht mehr auf sie angewiesen sein kann, vieles kann, was ich mir vorher nicht zugetraut habe. Ich muss es können, weil ich alleine bin, und ich kann es, denn ich habe es nur versteckt, eben weil meine Frau dieses getan hat.

Ich habe dies gelernt durch die aufgezwungene Absonderung von Freunden und Menschen. Ich glaube, dass ich mich neu entdeckt habe durch diese aufgezwungene Isolierung. Nicht Verzweiflung, sondern die Fragen – wozu, weshalb, wie - können uns helfen, diese ungewohnte Lebenssituation zu meistern und aus dieser Situation als gestärkte und auch fröhliche Menschen hervor zu gehen.

Donnerstag, 21. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Säen - ernten



Seit ein paar Wochen ist Pflanzzeit.

Salat, Tomaten, Gurken, Kohlrabi usw. sind gepflanzt, werden gegossen, zum Teil auch gedüngt- und sollen dann wachsen. Um dann wiederum in wenigen Wochen reif zum Ernten sein.
Wir erwarten, dass wenn wir gesät und gepflanzt haben - Und gut gegossen und gedüngt haben - dass wir dann auch eine reiche Ernte bekommen.

Der Prophet Hosea redet ebenfalls vom Säen und ernten. Aber bei ihm geht es nicht um Gemüse, sondern um Menschen.  Er sagt: „Säet Gerechtigkeit und erntet…
Man würde erwarten: „Und erntet viel Gerechtigkeit.“ Aber er sagt weiter: „und erntet nach dem Maß der Liebe!“ (Hos. 10,12)

Die Liebe ist der Dünger, der die Gerechtigkeit wachsen lässt. Und bei Liebe gibt es keine Überdüngung, da kann es nie zu viel sein.

Mittwoch, 20. Mai 2020, Rolf Noormann

 

“Glauben, mit sich selbst herausrücken”



Manchmal lese ich einen Satz und denke: Wow, das trifft’s! So geht es mir mit diesem kurzen Satz des israelischen Schriftstellers Elazar Benyoëtz. Glauben heißt für ihn: mit sich selbst herausrücken. Damit wird sofort klar, warum Glaube oft so schwer fällt: Wer will schon sich selbst preisgeben? “Glaube” ist ein theologisches Kunstwort. Die biblischen Begriffe, die damit wiedergegeben werden, bedeuten eigentlich “Treue” bzw. “Vertrauen”. Der Mensch antwortet auf die Treue Gottes mit seinem Vertrauen. Benyoëtz geht noch einen Schritt weiter: das im Glauben gemeinte Vetrauen heißt für ihn An-Vertrauen: Sich selbst einem anderen, nämlich Gott, an-vertrauen. Sich selbst preisgeben, in der doppelten Bedeutung des Wortes: sich öffnen und sich übergeben. Ein Glaubender ist ein Mensch, der sich nicht länger in seinem selbstgebauten Bunker verschanzt, sondern sich preisgibt an Gott. So kann er sich selbst und anderen in Freiheit begegnen.

Dienstag, 19. Mai 2020, Rolf Noormann

 

Gottes Enttäuschung

Das Wort Enttäuschung hat auch eine positive Seite: ent-täuschen heißt, dass eine Täuschung überwunden wird. Es ist schade, dass ich mich in etwas oder jemandem getäuscht habe, aber es doch gut, dass ich es jetzt wenigstens weiß. Ent-täuschungen können hart sein, sie sind aber auch heilsam, zumindest solange man nicht zu oft Enttäuschungen erlebt. Gott sollte das allerdings nicht passieren können. Er hat schließlich den Überblick und weiß schon im Vorhinein, was geschehen wird (so hat es zumindest die Theologie immer gesehen). Und doch erlebt auch Gott Enttäuschungen. Enttäuschungen mit uns, den Menschen: “Der Mensch ist die Enttäuschbarkeit Gottes” (Benyoëtz). Gott selbst hat es gewissermaßen darauf angelegt, indem er uns Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, das heißt mit freiem Willen und mit der Fähigkeit, sich für oder gegen Gott zu entscheiden. Die menschliche Liebe kann und will er nicht erzwingen. Er kann uns nur mit seiner Liebe locken, und darum auch enttäuscht werden.

Montag, 18. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Wachstum

Es tut der Seele gut, zu sehen, wie gerade alles wächst und grünt. Fast jeden Tag sehen wir ein Stückchen mehr davon. Bei allem, was wir an manchen Stellen dazutun durch gießen oder düngen - es ist ein Wunder von Gott. Gott schenkt das Wachstum, Tag für Tag, ohne dass wir viel dazutun.Was müssen wir tun, damit wir geistlich wachsen können? Nicht viel. Gott schenkt das Wachstum. Das Einzige, was uns bleibt, ist verwurzelt zu blieben in seiner Liebe. Dass wir uns ausstrecken, möglichst viel von dem aufzunehmen, was Gott uns gibt. Den Rest macht Gott. Es ist sein Geschenk ohne große Anstrengung unsrerseits. „Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre.“  Mk.4,28

Sonntag, 17. Mai 2020, Rolf Noormann


geografie des gebetes


das gebet ist ein ort

wo ich beschenkt werde
wo ich zusammengenommen werde
wo ich mich überlassen kann
wo ich nahrung bekomme
wo meine widerstandskraft aufgebaut wird
wo ich sein kann ohne zu suchen
wo ich kind sein kann
wo ich mich frei bewegen kann
wo ich nichts beweisen muss

ein guter ort


aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr,
Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.149 - Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Samstag, 16. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Das beste Erbgut


Einst sagte Sokrates: „Wenn ich mich auf den höchsten Punkt Athens stellen könnte, würde ich meine Stimme erheben und schreien: „Warum, Mitbürger, setzt ihr Himmel und Erde in Bewegung, um Reichtümer anzuhäufen, und kümmert euch dabei so wenig um eure Kinder, denen ihr doch eines Tages alles überlassen müsst?“
Heute, wo man darangeht, das Erbgut des Menschen zu beeinflussen, müsste man sagen: „Ein harmonisches Familienleben ist das beste Erbgut, das wir unseren Kindern mitgeben können. Liebe schenken, Zeit haben, zuhören können, Vertrauen wecken, Hoffnung säen, Mut machen und Gewissen schärfen sind die besten Reichtümer, die wir unseren Kindern vererben können.“
Gebt den kleinen Kindern tiefe Wurzeln des Vertrauens und den großen Kindern weite Flügel der Hoffnung!“ Ein Kind ist wie Wachs in dem, was es aufnimmt, und wie Granit in dem, was es behält!
„Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk!“  Psalm 127,3

 

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Abgedruckt aus: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, 1991 Aussaat Verlag GmbH, Neukirchen-Vluyn, S 312

Freitag, 15. Mai 2020, Brigitte Hage

 

Glocken


Die Theologin Johanna Haberer erzählt in einem Essay von einer junger Frau: Diese war aus Indien zurückgekommen. Sie sagt zu ihrer Pfarrerin: „Es war wunderschön. Aber: Soll ich dir sagen, was mir gefehlt hat? - Das Glockenläuten. Und dabei ist es mir erst nach ein paar Wochen aufgefallen!“ Morgens beim Wachwerden, abends beim Betrachten des Sonnenuntergangs, irgendwann habe sie gedacht: “Jetzt weiß ich was mir fehlt. Ausgerechnet. Die Glocken.“

Auch mir fehlt das Glockengeläut der letzten Wochen.
Das mächtige Geläut am Sonntagmorgen vor der Klosterkirche mit Blick auf unseren Ort und von der Höhe  herunter der Glockenklang der Auferstehungskirche. Und jeden Abend um 18:30 Uhr grüßten uns wieder die Glocken beider Kirchen und riefen zum Innehalten.
Viele Menschen, auch solche, für die die Kirchenglocken sonst keine Rolle spielen, hörten in den letzten Wochen sehr bewusst auf die Kirchturmglocken. Und wenn danach vom Balkon, am offenen Fenster, auf der Terrasse oder auf der Straße gesungen und musiziert wurde, dann spürten wir eine Verbindung untereinander und vielleicht auch eine Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Sinngemäß schreibt Johanna Haberer noch, dass Glocken nicht nur rituelle Stimmen, sondern auch prophetische Signale sein können. Sie würden alle Menschen rufen - zum Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft, und zu einem aufmerksamen Leben, ausgespannt zwischen dem Gott, der uns geschaffen hat, und dem Gott, der kommt.
Auch deshalb bin ich froh und dankbar, dass unsere Glocken weiterhin zu den üblichen Tageszeiten läuten. In Zukunft möchte ich bewusster darauf hören, was sie mir sagen wollen.

Donnerstag, 14. Mai 2020, Rolf Noormann


Aber-Glaube


Kürzlich habe ich eine Definition des Aberglaubens gelesen, die mir gut auf unsere Zeit zu passen scheint: “Den Glauben auf Aber gesenkt” (Benyoëtz). In den letzten Wochen und Monaten war sehr deutlich zu beobachten, wie das Aber zum Prinzip erhoben wird. Zur Eindämmung des Corona-Virus hatten Bund und Länder eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, mehr als 90 % der Bevölkerung waren damit einverstanden, die Ansteckungsraten gingen stark zurück. Alles gut? Nein, es fehlte das Aber. Zuerst waren es einzelne Medien und Politiker, bald war es ein ganzer Chor. Immer noch eine kleine Minderheit, doch die bestimmt seither das Geschehen. Das Aber ist mächtig. Und doch ist es nur Aber-Glaube. Es kann nur negieren, stören, zerstören. Seine Macht ist nur geliehen. Es ist abhängig von dem, was es negiert und zu zerstören sucht. Warum geben wir dem Aber-Glauben nur so viel Macht?

Mittwoch, 13. Mai 2020, Thomas Bleher

 
Suchen


Wir suchen Anerkennung bei anderen.
Wir suchen den Partner fürs Leben.
Wir suchen Spaß.
Wir suchen Erfolg.
Wir suchen Gesundheit und Wellness.
Wir suchen…
Gott sagt: „Suchet mich, so werdet ihr leben.“ Am.5,4

Gott hat sich nicht versteckt, aber die Begegnung funktioniert nicht nach dem Automaten-Prinzip:  Gebet einwerfen, Amen sagen und das Gewünschte in Empfang nehmen.
Sondern Begegnung mit Gott braucht Zeit, so wie jede echte Beziehung.
Welche Priorität hat das in unserm Leben, dass wir Gott suchen?
Wir sind Gott so wichtig, dass er Zeit mit uns verbringen will. Wenn wir uns aufmachen, ihn suchen, dann lässt er sich auch gerne finden und schenkt uns ein erfülltes Leben.

Dienstag, 12. Mai 2020 - Fritz Hammann


Nahe liegende Gaben   
                          

                         

Unsere  Lebenssituationen in den letzten Wochen waren sehr unterschiedlich: viele hatten plötzlich viel Zeit, andere waren sehr engagiert in Pflegeheimen, Kliniken, Supermärkten, nicht wenige kamen unverschuldet in finanzielle Probleme und wieder andere konnten die psychischen Belastungen kaum ertragen.
In diesen Wochen, in denen unsere Entfaltungsmöglichkeiten reduziert wurden, konnten sich überraschend andere Fähigkeiten bilden. Anstatt im Zwang zu sein, möglichst viel zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren, zeigten sich verschütte oder fast tot geglaubte menschliche Fähigkeiten, so z. B. der nachbarschaftliche Kontakt und die Fürsorge über Zäune hinweg, die Wahrnehmung des anderen, Zeit für sich und für andere Menschen, die sonst eher unbemerkt bleiben. Und es entwickelten sich kreative Fähigkeiten, die sozusagen wieder auferstehen konnten: Musik von Balkon zu Balkon, neue Ideen des Zusammenlebens und der Hilfsbereitschaft, oder das Thema des Teilens, der Solidarität mit Menschen, die in dieser Krise besonders betroffen sind. Ich denke, diese hoffnungsvollen Ansätze bringen uns Menschen einander näher und machen uns glücklicher.    

Montag, 11. Mai 2020, Thomas Bleher

 

Wie lahme Christen wieder auf die Füße kommen


Martin Buber erzählt von seinem Großvater. Er war gelähmt und wurde eines Tages gebeten, die Geschichte von seinem Lehrer zu erzählen. Da erzählte er, wie der heilige Baalschem beim Beten zu hüpfen und zu tanzen pflegte. Der Großvater stand auf und beschrieb den Lehrer, und die Erzählung riss ihn so hin, dass er hüpfend und tanzend zeigen musste, wie es der Meister gemacht hatte. Von Stund an war er von seiner Lahmheit geheilt.
So muss man von Jesus erzählen und das Leben verkündigen, dass es uns selbst hinreißt und andere ansteckt. Es gibt so viele Rechtgläubige und so viele richtige Predigten, aber so wenig Begeisterte, Hingerissene, über deren Glaubenszeugnis andere Menschen zum Glauben und sie selbst wieder in Schwung und auf die Füße kommen.
„Wir können’s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben!“  (Apg. 4,20)

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags aus: Axel Kühner, Wie lahme Christen wieder auf die Füße kommen, in: ders., Überlebensgeschichten für jeden Tag. © 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 21. Auflage 2018, S. 44.

Sonntag, 10 Mai 2020, Rolf Noormann

 

Alle guten Gedanken kommen von Gott


 

Gute Worte und Taten gibt es überall, innerhalb und außerhalb der Kirche, in unserer Kultur und in anderen Kulturen. Schlechte Worte und Taten auch. Was bedeutet das? Justin, ein großer Theologe aus dem 2. Jh., hat dazu geschrieben: Alles, was irgendwo als Wahrheit erkannt worden ist, gehört zu Christus. Denn Christus, so glaubt er, ist die Wahrheit. Im gleichen Sinn schrieb vor etwa hundert Jahren der große württembergische Theologe Christoph Blumhardt: “Alle guten Gedanken kommen von Gott.” Eine spannende These! Und gar nicht vereinnahmend gemeint, sondern genau umgekehrt. Blumhardt öffnet sich damit für gute Gedanken, gute Worte und Taten, die er außerhalb des Christentums wahrnimmt. Damals zum Beispiel bei den Sozialdemokraten, die dafür kämpften, dass auch Arbeiter Rechte haben. Das Gute hat niemand exklusiv für sich gepachtet. Es durchdringt die ganze Welt. Weil es von Gott kommt.

Samstag, 9. Mai 2020 - Thomas Bleher
 

Wann beginnt der Tag?


Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt. „Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?, fragte einer der Schüler. „ Nein“, sagte der Rabbi. „Ist es, wenn man von weitem einen Dattel- von einem Feigenbaum unterscheiden kann?“, fragte ein anderer. „Nein“, sagte der Rabbi. „Aber was ist es dann?“ fragten die Schüler. „Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und deine Schwester oder deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“

 

Axel Kühner, Wann beginnt der Tag, in: ders., Überlebensgeschichten für jeden Tag. © 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 21. Auflage 2018, S. 210, mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

8. Mai 2020 – Rolf Noormann


Ein Tag der Hoffnung

 

Heute vor 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Damit endete eine der größten Katastrophen der Menschheitsgeschichte. Der Krieg hatte längst unbegreifliche Dimensionen angenommen. Die Toten gingen auf allen Seiten in die Millionen. Mitten in diesem maßlosen Kriegstreiben ging eine ganz eigene Vernichtungsmaschinerie unbeirrbar ihren Gang: der generalstabsmäßig organisierte Massenmord an den europäischen Juden. Das auserwählte Volk Gottes sollte ausgelöscht werden. Das Volk, von dem es heißt, es habe das Gewissen erfunden. Mit dem Volk sollte auch die Erinnerung an den Gott Israels ausgelöscht werden. Das war das Ziel des Naziregimes, bis zuletzt. Doch das hat es nicht erreicht, so schlimm es auch gewütet hat, Gott sei Dank! So geht von diesem Tag eine Hoffnungsbotschaft aus: Gottes Feinde gehen unter (Psalm 92,10). Das Böse hat keine Zukunft, so mächtig es sich auch gebärden mag. Zukunft haben Gott und sein Volk, Zukunft haben Frieden und Recht.

Donnerstag, 7. Mai 2020, Thomas Bleher

 
Schritt für Schritt


Gott sagt: „Gehe heute deinen Weg. Tu heute, was ich dir vor die Füße lege.“ Aber Herr, ich möchte so gerne planen. Ich möchte so gerne wissen, was Morgen ist, was in 2 Monaten ist. Und Gott sagt: „Tu heute, was ich dir aufs Herz lege. Geh mit deiner kleinen Kraft und überlass die Sorgen für Morgen mir, denn ich habe den Überblick und ich sorge für dich. 

Mittwoch, 6. Mai 2020, Rolf Noormann

 

vorstufen zum gebet


hole mich ein
    denn ich bin mir hinterher
nimm mich zusammen
    ich bin noch auseinander
beruhige die gedanken
    sie überfordern mich
verscheuch das geschwätz
    ich bin umschwirrt wie von mücken


aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr,
Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.333 - Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Dienstag, 5.. Mai 2020, Fritz Hammann


Geduld                                                                            


In letzter Zeit ist unsere Geduld vielfach auf die Probe gestellt worden, verschiedene Einschränkungen haben unser Leben verändert. Inzwischen ist bei vielen der Wunsch spürbar geworden, wieder mehr am natürlichen Leben teilhaben und die Kontakte untereinander persönlicher und näher gestalten zu können. Vielleicht haben sich einige in den letzten Tagen auch überlegt, wie lange wohl unsere Geduld ausreichen wird, oder ob sie eventuell in Unmut, Ärger oder Verbitterung umschlägt.Manchmal in den letzten Wochen ging mir die Situation von Geflüchteten durch den Sinn, die aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und anderen Ländern zu uns kommen. Diese Menschen sind oft einer langen Zeit der Geduldsprobe ausgesetzt. Viele müssen monate- und jahrelang auf den Abschluss ihres Asylverfahrens warten. Sie dürfen nicht arbeiten, sind getrennt von ihren Angehörigen, oft auch in Unsicherheit über deren Schicksal: Das ist eine echte Herausforderung für viele Geflüchtete, und nicht wenige werden im Laufe des Wartens psychisch noch kränker. Immer wieder bin ich beeindruckt, wenn diese jungen Geflüchteten, einige davon Muslime,  über ihre religiöse Anbindung, ihren Glauben, berichten, und dass sie in dieser Rück-Bindung innere Stärke, Halt und eine Kraftquelle für ihre schwierige Situation erleben. So stellt sich auch für uns die Frage: Was hilft uns, dass wir uns mehr in Geduld üben können? 

Montag, 4. Mai 2020 - Thomas Bleher

Der richtige Standort


Der Standort kann entscheidend sein, für eine Pflanze- aber auch für uns. Der Baum oben auf dem Bild hat einen schweren Stand. Er steht auf dem nackten Fels. Da hat es ein Baum, der am Bach steht, wesentlich leichter. Ähnliches gilt für uns. Psalm 1 sagt: „Glücklich ist, wer Freude hat am Gesetz des Herrn und darüber nachdenkt- Tag und Nacht. Der ist wie ein Baum, der nah am Wasser steht, der Frucht trägt jedes Jahr.“  Gottes Wort ermutigt, gibt Wegweisung und Leben. Es gibt gerade so viele negative Nachrichten. Deshalb brauchen wir umso mehr Ermutigung. Gott ermutigt uns, er trägt uns durch. Dann können wir mit Zuversicht in den Tag gehen.

Sonntag, 3. Mai 2020 - Rolf Noormann

Stückwerk



Wegen der Corona-Krise musste vieles unterbrochen oder abgebrochen werden. Manche Fäden, die liegen geblieben sind, werden sich nicht wieder aufnehmen lassen. Ohnehin gelingt es nur selten, das, was gestern abgebrochen werden musste, später weiterzuführen. Lessing sieht darin ein Kennzeichen des menschlichen Lebens: “Freilich wird so viel angefangen und wenig vollendet. Aber was schadet das? Wenn ich auch nichts in meinem Leben mehr vollendete, ja nie etwas vollendet hätte: wäre es nicht eben das?” Eine provozierende Frage! Könnte das Leben tatsächlich darin bestehen, dass wir unendlich vieles beginnen, ohne es je zu vollenden? Dass alles, was wir tun, “Stückwerk” bleibt, wie es der Apostel Paulus sagt? Ja, so könnte es sein. Es wäre darum gut, Abschied zu nehmen vom Anspruch auf Vollkommenheit. Alles, was wir tun, bleibt ein Fragment. Das Fragment aber ist “das vollendet Mögliche” (Benyoëtz).

Samstag, 2. Mai 2020, Thomas Bleher


Wolken




Abendstimmung. Es ist schon dunkel, aber die Wolken am Himmel werden noch von der untergehenden Sonne erhellt. Manchmal sehen wir auch nur die Wolken und das Bedrohliche in unserem Leben. Aber sobald es ins rechte Licht gerückt wird, sieht das Bild ganz anders aus. Die meisten Wolken erscheinen sonst sehr flach. Durch das Licht von der Seite bekommt sie plötzlich eine enorme Tiefenwirkung. Ich wurde an das Lied erinnert: „der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.“ EG 361
Der Herr, der den Wolken und dem Wind gebietet, der kann auch uns sicher durch unsichere Zeiten führen. Er ist immer noch derselbe. Er begleitet uns und geht mit, auch durch Corona.

Freitag, 1. Mai 2020, Rolf Noormann


Ganz schön anspruchsvoll



Mit einer Krise verbindet sich oft die Hoffnung, dass sie das Gute im Menschen zu Tage fördert. Wenn die Lage ernst ist, treten die oft so kleinlichen Alltagsquerelen in den Hintergrund; die Menschen konzentrieren sich wieder auf das Wesentliche – so die Erwartung. Tatsächlich zeigt sich in der jetzigen Krise vielerorts eine große Hilfsbereitschaft. Menschen achten mehr auf einander als sonst. Eine neue Nachdenklichkeit ist zu beobachten. Aber auch das andere gibt es: Raffgier in den Supermärkten, rücksichtsloses Verhalten auf Gehwegen, Aggressionen. Nicht wenige regen sich darüber auf. Dabei ist die Erwartung, dass eine Krise Menschen bessert, ganz schön anspruchsvoll. In schlechten Zeiten zeigt sich eher, wie die Menschen sind, im Guten wie im Schlechten. Den meisten wird es schnell zu viel. “Wer kennt sich nicht gut genug, um zu wissen, dass fast alles zu viel verlangt ist” (Benyoëtz)? Überraschend ist darum eher, wie viel Gutes in der Krise zum Vorschein kommt.

Donnerstag, 30. April 2020 - Thomas Bleher

Geschenkte Zeit

Manche von uns hatten die letzten Wochen plötzlich viel Zeit. Manche dagegen waren vielleicht noch mehr im Stress als vorher, weil die Arbeit forderte, die Kinder nicht zur Schule oder in den Kindergarten konnten. Wir leben in ganz verschiedenen Lebenssituationen. Auch unsre Lebenszeit ist sehr unterschiedlich. Sehr viele Mitmenschen werden heute älter als 80 Jahre oder sogar 90. Manche allerdings müssen auch schon früher gehen. Wir wissen es nicht, wir haben es nicht in der Hand. Aber jeder von uns hat dieselbe Summe Zeit in einem Jahr. 12 Monate, 53 Wochen, 365 bzw. 366 Tage, 8760 Stunden, 525.600 Minuten. Das vertraut Gott jedem von uns an. Wir dürfen sie füllen mit Leben. Wir dürfen Zeit verschenken an andere Menschen. Wir dürfen Zeit verschenken im Gespräch, in Hilfestellung für andere Menschen, damit sie merken: Ich bin geliebt, ich bedeute jemandem etwas, Gott hat mich nicht vergessen. Unsre Zeit ist kostbar, für uns selber und für andere. Sie ist unwiederbringbar und wertvoll.

 

 

Mittwoch, 29. April 2020 - Rolf Noormann

Steine sammeln

“Steine sammeln hat seine Zeit”, so steht es in der Bibel. Ich selbst gehöre zu den Sammlern. Was einmal den Weg in unser Haus gefunden hat, findet so schnell nicht wieder heraus. Und wenn ich etwas Schönes entdeckt habe, eine tolle CD etwa oder ein spannendes Buch, dann suche ich gern in die gleiche Richtung weiter. So ist im Laufe der Jahre einiges an Sammlungen zustande gekommen.
Allerdings steht in der Bibel gleich daneben auch der Satz: “Steine wegwerfen hat seine Zeit.” Was ich sammle, sollte ich auch wieder abgeben können. Mir fällt das viel schwerer. Warum eigentlich? Vorher ging es doch auch ohne diese Dinge. Und morgen begegnet mir vielleicht etwas Neues, das meine ganze Aufmerksamkeit braucht. Sammeln kann befriedigend sein. Aber es braucht eine Balance. Ich muss auch loslassen können. Sonst laufe ich Gefahr, mich einzumauern.

Dienstag, 28. April 2020 - Fritz Hammann

Veränderte Beziehungen

In diesen Tagen verändern sich in vieler Hinsicht unsere Kontakte und Beziehungen. Wir sind angehalten, Schutzmasken zu tragen und den erforderlichen Mindestabstand einzuhalten, wenn wir uns in der Öffentlichkeit bewegen, beim Einkaufen, in Bussen oder Bahnen. Dabei geschieht es sehr leicht und schnell, dass wir nicht mehr genau wissen, von wem wohl die Virusgefahr ausgeht – ist es die eigene Person oder der andere?  Wird der andere mir gar zur Bedrohung?
Für viele Menschen ist es schwierig, mit dieser Situation umzugehen. Sie sind verunsichert, sie werden ängstlich und misstrauisch, und ihre Beziehungen zu anderen, vor allem zu Fremden, sind nicht mehr genau fassbar und berechenbar. Für manche verschwimmen die Grenzen zwischen tatsächlicher und phantasierter Gefahr. Sie können den psychischen Belastungen nicht mehr ausreichend standhalten und entwickeln Ängste, Panikattacken, oder sie ziehen sich zurück, leben isoliert und werden depressiv. Andererseits können sich in Familien mit Kindern, die unter den äußeren Bewegungseinschränkungen leiden, oft erhebliche Spannungen und Konflikte entwickeln. Berichte aus Beratungsstellen und Praxen weisen sehr deutlich auf diese zunehmenden Probleme hin.
Ich denke, es kann hilfreich sein, diese Entwicklung zu beobachten, auf die eigenen Reaktionen zu achten, und Menschen, die besondere Schwierigkeiten haben, in ihrer persönlichen Situation wahrzunehmen und ihnen mit Verständnis, Einfühlung und Vertrauen zu begegnen. 

Montag, 27. April 2020 - Thomas Bleher

25 Jahre lernen, kaufen, wegwerfen


Die ersten 25 Jahre geht man in den Kindergarten, in die Schule, an die Uni, in die Lehre, um zu lernen, wie man in den…

nächsten 25 Jahren Sachen kauft, Computer, Waschmaschinen, Möbel, Autos, Häuser, die man dann in den…

letzten 25 Jahren seines Lebens wegwirft, an die Kinder und andere Personen vererbt, spendet oder bei eBay vertickt.

Wie, und das soll er Sinn des Lebens sein: 25 Jahre lernen, wie man Sachen kauft, um sie dann anschließend tatsächlich zu erwerben und sie am Ende dann doch alle wieder loszulassen?! Das kann doch keiner ernst nehmen, oder?

Alles wird früher oder später sterben und kaputtgehen. Das Einzige, das eine Ewigkeit hält, ist laut Bibel die Seele des Menschen. Wie wäre es, wir würden ab sofort verstärkt in Menschen investieren und Materie erst an die 3.,4. oder 5. Stelle setzen?

(Aus: Arno Backhaus, Das Senfkorn Prinzip, 2007 SCM Collection, mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Sonntag, 26. April 2020 – Rolf Noormann

(Keine) Zeit für Umarmungen

Über manche Verse in der Bibel kann man stolpern. Ein solcher Vers ist für mich Prediger 3, Vers 5: “Herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit”. Statt “herzen” steht in neueren Bibelübersetzungen “umarmen”. Dass es Zeiten gibt, in denen es gut tut, sich herzlich zu umarmen, ist wohl keine Frage. Aber es gibt auch Situationen, in denen eine Umarmung selbst in vertrauten Beziehungen eher schwer fällt oder als unangebracht empfunden wird. Trotzdem versetzt es mir immer einen Stich, wenn ich das lese: “aufhören zu herzen hat seine Zeit”. Sollte für herzliche Zuwendung nicht immer die Zeit sein? Im Augenblick ist “soziale Distanz”, also Abstand halten, das Gebot der Stunde – keine Zeit zu herzen. Herzliche Zuwendung brauchen wir trotzdem. Vielleicht können freundliche Worte helfen, ein Gespräch über den Gartenzaun, ein handgeschriebener Brief.

25. April 2020 – Thomas Bleher

Quelle

Wahrscheinlich fragen sie. Wo ist hier eine Quelle?

Da steht ein einzelner Baum in der Wüste. Kilometerweit sieht man nur Sand, Steine, Felsen, Berge. Mitten im Sand ein einzelner Baum, der grün ist und wächst.  Weshalb?
Einige 100 m entfernt, fast ganz oben am Berg ist eine (sehr) kleine Quelle. Sie ist wirklich nicht groß.
Aber sie versorgt ein paar Beduinen mit Wasser- und diesen Baum ebenfalls.
Wir müssen nicht die Welt verändern.
Aber wir dürfen Wasserleitung Gottes sein. Angeschlossen an Jesus, die Quelle des Lebens dürfen wir für die Menschen um uns herum Quelle und Ermutigung sein.

24. April 2020 – Rolf Noormann

Alles hat seine Zeit


“Alles hat seine Zeit” – ein Satz aus der Bibel, der zum Sprichwort geworden ist. Es leuchtet ja auch ein. Manches geht zum Beispiel in der Jugend noch nicht, anderes im Alter nicht mehr. Im Augenblick erleben wir das als Gesellschaft. Für manches ist jetzt einfach nicht die Zeit. Etwa für ein Volksfest auf dem Cannstatter Wasen, für einen geselligen Abend in der Kneipe oder für ein großes Familienfest. Auf manches können wir leicht verzichten, anderes fällt schwerer. Glücklicherweise gilt auch das Umgekehrte: für manches ist jetzt Zeit. Zum Beispiel für die Kinder, die jetzt nicht in die Schule oder den Kindergarten gehen können. Für viele ist das auch eine schöne Zeit. Nicht wenige können das, wofür jetzt Zeit ist, schätzen, auch wenn es ein Ausnahmezustand ist. Vielleicht ergibt sich dadurch auch ein anderer Blick auf die “normalen Zeiten” – auf das, was daran wertvoll ist, und auch auf das, was geändert werden sollte.

Donnerstag, 23. April 2020, Thomas Bleher

Huhn oder Adler?

Ein Huhn ist ein nützliches Tier und relativ genügsam. Ein bisschen Futter und frisches Wasser. Und es hat drei charakteristische Eigenschaften: Es scharrt fast überall, es hat den Kopf meist auf dem Boden, um nach Futter zu suchen. Und es hat Futterneid. So bald ein Huhn einen Wurm oder etwas gefunden hat, versuchen alle anderen, es ihr abzujagen. Ein Adler dagegen steigt hoch, er lässt sich vom Wind tragen. Er bekommt dadurch einen Weitblick und scharrt nicht dauernd auf dem Boden herum. Wem wollen wir gleichen: dem Huhn oder dem Adler? Um was kreisen wir, von was lassen wir uns tragen? „Aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht müde werden.“ Jes. 40,31

Mittwoch, 22. April 2020, Fritz Hammann

 
Zu-Grunde gehen als Hoffnungskraft

Unser gemeinsames Wohnen im Schöpfungshaus
ist zerbrechlich und frag-würdig geworden
wir sind auf uns selbst zurückgeworfen
schonungslos konfrontiert mit der Härte des Lebens

In der Achterbahn der Gefühle
wechseln sich Angst und Vertrauen ab
dunkle Gedanken wollen uns isolieren
in der Panik vor dem Zugrunde gehen

Der erfahrene Wegbegleiter aus Nazareth
bestärkt uns in seiner Trotzdem-Hoffnung
unserem Dasein endlich auf den Grund zu gehen
weil die Würde allen Lebens uns verbindet

Verletzlich und aufgehoben im goldenen Lebenskreis
buchstabieren wir das Leben neu
bleiben nicht fixiert auf unsere Einschränkungen
sondern ent-wickeln eine beherzte Solidarität

Grund-legend in unserem Zusammensein
ist eine neue Wirtschaftsordnung
die Menschen nicht in die Flucht treibt
die Ökologie und Ökonomie nicht mehr trennt

Äusserlich wird unser Zusammensein heruntergefahren
innerlich kann es durch unseren Bewusstseinswandel
eine längst not-wendende Lebensqualität fördern
in der Dankbarkeit und Mitgefühl wachsen können

Manchmal feiern wir ganz unerwartet
sogar mitten in der Krise ein Fest der Auferstehung
Ängste und Verlorenheit werden aufgeweicht
und ein Vertrauen in die Liebe ist da

Pierre Stutz

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verfassers
©Pierre Stutz
www.pierrestutz.ch

Dienstag, 21. April 2020, Thomas Bleher

 

Festes Fundament

Das wichtigste an einem Haus ist sein Fundament.
Wenn es gut gegründet ist, dann kann weder ein Sturm noch Hochwasser ihm etwas anhaben. Bei  Sonnenschein tut es auch eine leichte Strohhütte ohne Fundament. Die derzeitige Corona Krise erschüttert gerade manche unsrer Sicherheiten und Selbstverständlichkeiten. Und sie stellt die Frage  nach unserem Fundament. Gott sagt in Hebr. 12,26: „Noch einmal will ich erschüttern nicht allein die Erde,  sondern auch den Himmel.“ Gott lässt Erschütterungen zu in unserem Leben und auch weltweit. Und es  ist gut, wenn wir unser Lebensfundament auf ihn bauen, denn er ist der Herr der Welt. Er hat diese Welt  ins Leben gerufen und er wird immer noch da sein, wenn wir längst nicht mehr sind. Wenn wir unser  Leben auf sein Fundament stellen, dann steht es auf einem festen und sicheren Fundament. 

Foto: Grafikdesign-Lacina.de

Montag, 20. April 2020 - Rolf Noormann

 

auferstehungspsalm

viel druck viele drücke
vieles gegen mich viele gegen mich
wie kann ich aufstehen
gegen die vielen lasten die herunterdrücken
die bedränger können aufstehen
sie haben es leicht

insinuierend einflüsternd
es gibt keine hilfe
das innere leben bringt nichts
der aufwand des herzens
der ertrag ist gleich null
man glaubt mir nicht

du aber du aber sage ich aber
du bist mein schild
du bist meine ehre
du richtest zusammengestauchte auf
solche wie mich
du bist meine auferstehung

aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr,
Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.263

Sonntag, 19. April 2020 - Thomas Bleher

 
Wegweiser


Egal ob wir mit dem Auto unterwegs sind, mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf einer unbekannten Strecke, da ist es gut, wenn wir uns an Wegweisern orientieren können. Manche, z.B. auf der Autobahn sind schon von weitem sichtbar. Andere wiederum, z.B. im Wald, können manchmal ziemlich versteckt sein. Aber sie helfen uns, den richtigen Weg einzuschlagen und am gewünschten Ziel anzukommen.
Auch für unser Leben brauchen wir Wegweiser.
Der Beste, den wir finden können, ist die Bibel. Denn in ihr spricht der Herr der Welt zu uns, der unseren Weg kennt, der das Ziel kennt, und der weiß, wie es für uns weitergeht.  Er kann uns zum Ziel bringen, so dass wir bei ihm ankommen
„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“
Psalm 119,105

Samstag, 18. April 2020 - Brigitte Hage

 
Reichtum


„Menschen, die einen anlächeln, wenn man im Bus zufällig Blickkontakt hat.“
In der Wochenzeitung „Die Zeit“ gibt es die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“. Menschen erzählen in aller Kürze eine Begebenheit, die sie berührt hat. Es sind oft ganz kleine, scheinbar unbedeutende Augenblicke, von denen sie sagen, dass sie ihr Leben an diesem Tag bereichert haben. Wir leben gerade in einer Zeit, in der wir versucht sind, nur auf das Schwere und Angsteinflößende zu schauen – sicher vollkommen nachvollziehbar. Aber wenn wir versuchen, aufmerksam und mit innerer Weite durch diese Tage zu gehen, begegnen uns sicher auch Momente, die uns reicher machen können.

Hier noch zwei Beispiele für solche kleinen Reichtümer:
„Kränkelnd verlasse ich morgens das Haus und fürchte, dass das kein guter Tag wird. An einer belebten Straße in Berlin-Kreuzberg passiere ich zwei gebrechliche alte Herrschaften, die sich offenbar zufällig getroffen haben. Die Frau forsch: „Wie geht´s, wie steht´s?“ Der Mann legt darauf sein breitestes Grinsen auf: „Beschissen schön!“ Der Tag ist dann einfach herrlich geworden!“
oder
Ich komme beim Spaziergang über die nahe Autobahnbrücke. Als Kind stand ich hier sehr oft und habe den Autofahrern zugewinkt. Jetzt, 62-jährig, stehe ich wieder mal an dieser Stelle und denke an meine Kindheit zurück. Auf einmal winkt mir ein Autofahrer von unten zu.
Fällt Ihnen gerade auch so ein Moment ein?


Freitag, 16. April 2020 - Thomas Bleher

 
Geschenkte Zeit


Plötzlich haben viele von uns viel Zeit, wie schon lange nicht mehr.

Darüber kann man stöhnen oder klagen, dass alle Pläne, - auch Urlaubspläne vollkommen über den Haufen geworfen wurden. Oder man kann die Zeit nutzen zur Pflege von Beziehungen. Und sie können ihre Bibel aufschlagen und einfach mal das Johannes Evangelium durchlesen. So können sie Orientierung finden und Ermutigung.

Jesus sagt:
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird niemals wieder Hunger leiden, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.“
Joh. 6,35

Gott hat uns das Leben geschenkt und er schenkt uns Zeit, ihm zu begegnen. Nutzen wir diese uns geschenkte Zeit.

Donnerstag, 15. April 2020 – Rolf Noormann

 
Oster-Wunder


Ostern ist ein Wunder. Dass ein Toter wieder lebendig wird, das gibt es (sonst) nicht. Was Jesus erlebt hat, war ja keine Nahtoderfahrung. Er war mausetot, gestorben, begraben, weggesperrt hinter einem großen Stein. Und dann lebt er doch, lebt wieder, steht auf von den Toten. Zurück bleibt ein leeres Grab. Keiner weiß, wie das gegangen ist. Nur eines ist klar: Da hatte Gott die Hand im Spiel. Das kommt öfter vor. Nur merkt es meistens keiner. Etwa, wenn Beziehungen, die tot waren, neu belebt werden. Oder wenn Projekte, die längst gescheitert schienen, plötzlich doch gelingen. Da staunen wir vielleicht, aber es finden sich auch Erklärungen dafür. So ist es fast immer. “Weil wir unsere Möglichkeiten konsequent überschätzen, übersehen wir die meisten Wunder. Sichtbar werden sie erst, wenn wir an unsere Grenzen kommen” (Heiner Schubert). Schade eigentlich. Wir könnten uns viel früher freuen. Und entspannter.

 

Mittwoch, 15. April 2020 - Thomas Bleher


Zuflucht


Eine Schar kleiner Küken wuselt im Garten herum.
Ein munteres Völkchen, das hüpft und hin und herrennt.
Plötzlich ist der Schatten eines Greifvogels über dem Garten.
Die Henne ruft und lockt ihre Küken. Ziemlich schnell verschwinden alle unter ihren Flügeln. Keines rennt mehr frei herum.
Dort unter den Flügeln der Henne sind sie in Sicherheit.
Genau dieses Bild verwendet David in Psalm 91:
„Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.“
Bei Gott haben wir Zuflucht gerade auch in so bewegten Zeiten:
Innerlich und äußerlich. Unser Gott ist größer als jede Not und Gefahr. Er hat den Überblick. Bei ihm dürfen wir Zuflucht finden.

 

Dienstag, 14. April 2020 - Brigitte Hage

Einwurf


Es ist Krise. Die Welt schrumpft zusammen: auf die eigenen vier Wände, die eigene Arbeit, die eigene Familie. Viele jedoch zeigen sich solidarisch: bleiben zu Hause, kaufen für die alte Nachbarin ein. Solidarität ist das Wort der Stunde. Aber stimmt das?

Manche Menschen trifft die aktuelle Krise härter als andere: Menschen ohne Internet, ohne Geld, ohne Netzwerk, ohne Zuhause. Menschen, die schon vorher nur allzu oft übersehen wurden. Alleinerziehende, Einsame, Menschen mit prekärer Beschäftigung. Kranke, die nicht besucht werden dürfen; Sterbende und deren Angehörige.

Die Geflüchteten in den Lagern können nicht zu Hause bleiben; sie haben keins mehr. Sie können sich nicht die Hände waschen, weil es nur einen Wasserhahn für 1300 Menschen und keine Seife gibt. Von ausreichender ärztlicher Versorgung ganz zu schweigen. Sie brauchen dringend Unterstützung.
Solidarität bedeutet, so zu denken und zu handeln, dass das gute Leben nicht nur für mich und mein Umfeld im Blick ist, sondern für alle. Solidarität, die einige übersieht, ist keine.

(in Anlehnung an Publik Forum Nr. 6)

 
 

Montag, 13. April 2020 - Rolf Noormann

Die Wüste wird blühen!

Einer der großen Päpste, Johannes XXIII., hat einmal gesagt: Wir Menschen sind auf der Erde, “um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt und für eine schönere Zukunft bestimmt ist”. Gerade bricht sich um uns herum der Frühling Bahn. Alles strotzt vor Leben. Eine bunte Blütenpracht umgibt uns. Doch die Freude ist getrübt. Noch vor wenigen Wochen waren es die Warnungen der Klimaschützer, die aufgeschreckt haben. Jetzt ist es die Corona-Krise. Selbst Osterspaziergänge und Fahrradtouren sind mit Einschränkungen verbunden. Die Natur blüht trotzdem auf. Der Frühling ist nicht aufzuhalten. Ich sehe darin ein Zeichen. Auch wenn jetzt gerade Manches wüst aussieht, die Wüste wird blühen. Das Leben ist stärker als alles, was das Leben bedroht. Es ist stärker auch als das Corona-Virus. Zu Ostern feiern wir das neue Leben, das Gott schafft. Die aufblühende Natur stärkt mich, dass ich den Glauben und die Hoffnung nicht verliere.

 
 
 

Sonntag, 12. April 2020 – Thomas Bleher

Ostersonntag



Der Herr ist auferstanden- er ist wahrhaftig auferstanden!
Aber alles ist anders als gewohnt. Es will keine wirkliche Osterfreude aufkommen
Wo ist da Ostern?
Gerade in die Not unserer Welt hinein ist Jesus auferstanden. Dadurch sind nicht alle Probleme gelöst und alle Nöte beseitigt. Aber ich habe einen, der sich schützend vor mich stellt, an den ich mich halten darf, mit allem, was ich nicht verstehe und was mir Angst macht.
Ein altes Kirchenleid bringt das zum Ausdruck:
„Ich hang und bleib auch hangen
An Christus als ein Glied;
Wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmer er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll,
ich bin stets sein Gesell.“  (EG 112,6)

In diesem Sinne ein frohes Osterfest und dranbleiben an Jesus, dem Auferstandenen.


Pfr. Thomas Bleher

 

Karsamstag, 11. April 2020 - Rolf Noormann

 

Ein Gebet für Karsamstag in Corona-Zeiten


vater du musst kommen

es steht schlimm um deine welt
vater im himmel du musst kommen
dein name muss unbedingt gross gemacht werden
dein reich muss endlich kommen – unverzüglich
dein wille muss geschehen im himmel und hier unten
dein brot muss da sein sonst gehen wir ein
deine vergebung muss erhältlich sein
deine erlösung musst du uns gewähren
sonst verzweifeln wir
kyrie bitte
amen


aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr,
Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.198

 

Karfreitag, 10. April 2020 - Thomas Bleher

Hoppla - stolpert man da nicht im ersten Moment ein wenig? Verliebt klingt ein bisschen nach "Liebe light". Und "unsterblich verliebt" hat auch eher etwas von Schwärmerei und einem Verliebtsein, das sich später vielleicht ganz anders entwickelt.

Bei Jesus Christus ist das anders. seine Liebe ist mehr als einfaches Verleibtsein. Sie ist so groß dass er für uns gestorben ist. Aus unserblich wurde sterblich. Und aus sterblich wurde unsterblich, als Jesus nach drei Tagen wieder auferstanden ist. Er liebt uns so sehr, dass er unser Leben teilen möchte - Freude, Leid, Jubelmomente, Katastrophen, egal was kommt.

Und wenn wir uns auf ihn einlassen, will er uns diese Liebe jeden Tag schenken. Unsterblich - bis in alle Ewigkeit.

 

Mit freundlicher Genehmigung: K0441 © Stiftung Marburger Medien unter Verwendung eines Thinkstockphotos 

 

Grünonnerstag, 9. April - Hans-Peter Ziehmann

 

Am 9. April 1945, heute vor 75 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg hingerichtet, wenige Tage vor Kriegsende. Sein Name stand auf einer Liste derer, die den Krieg nicht überleben sollten.
Bonhoeffer war mutig und vorausschauend, klug und welterfahren, musikalisch und theologisch gebildet. Bis heute singen wir sein Lied “Von guten Mächten”, und es ist ein neues Theaterstück entstanden über “den Mann mit dem Lied”, das sich anzuschauen lohnt. Bonhoeffers Leben kennt aber auch andere Seiten. In der Isolation der Haft im Militärgefängnis in Berlin-Tegel schrieb er im Juni 1944 das Gedicht: “Wer bin ich?” Manche von uns lernen in diesen Tagen auch neue Seiten an sich kennen oder entdecken sie wieder. Bonhoeffers Gedicht kann uns anleiten, sehr ehrlich mit uns zu sein und den Trost zu finden, der in der Schlusszeile aufscheint.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich ? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.


Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,

dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.

 

Mittwoch, 8. April  - Fritz Hammann

Liebende Zuwendung                                                            


In letzter Zeit hat mich eine Frau, über die im Matthäus-Evangelium berichtet wird, besonders beeindruckt; es ist die namenlose Frau, die wohlriechendes, kostbares Öl auf das Haupt Jesu gegossen hat, nach dem Todesbeschluss des Hohen Rates und vor dem Verrat durch Judas.  Diese Frau suchte mutig und vertrauensvoll die Nähe von Jesus, wandte sich ihm liebevoll zu und sie goss – vielleicht kann man es so sagen – in einer Geste der Zärtlichkeit kostbares Öl auf sein Haupt. „In einer Grenzsituation des Lebens, wo jedes Wort zuviel sein kann, drückt sie durch ihre Geste aus, was sie in Jesu Lebensschule gelernt hat“ (Pierre Stutz).  Jesus stellt diese Frau mit ihrer hoffnungsvollen Tat in die Mitte, auch gegen den Widerstand der Männer, der Jünger, und er ruft auf, sich in Zukunft an sie zu erinnern. Ich stelle mir vor, dass die liebevolle Haltung dieser Frau  Jesus auf seinem Weg zum Kreuz getröstet und gestärkt hat.    

Dienstag, 7. April 2020 - Tanja Schleyerbach

Ich nehme Sie heute mit in meine Gedanken und Gebete. Sie gehen in diesen Passionstagen zu Menschen, die Menschen dienen.

Ein Gebet für Ärzte, die übernächtigt bis zur Erschöpfung arbeiten und unmenschliche Entscheidungen treffen müssen. Für alle, die selbstlos für Ältere, Behinderte und Kranke da sind und für die, die uns allen dienen, oft ohne Schutz für sich. Für Kranke und Sterbende in ihrer Not. Für Menschen in seelischen Krisen und Existenznöten. Ein Gebet für alle Entscheider. Und eines für die, die noch nicht verstanden haben, dass ihr Verhalten Menschenleben kostet oder der Gemeinschaft schadet.
Gott, Du Quelle des Lebens, Dir sind wir alle anvertraut, erbarme Dich!

Meine Gedanken und Gebete gehen wie sonst auch zu Menschen, die durch die Pandemie noch mehr vergessen werden. Für die schon lange niemand mehr persönlich betet. Für Menschen im Krieg, für Geflüchtete in Lagern, für Obdachlose, für die Geschundenen, Verzweifelten und Leidenden in armen Ländern.
Jesus Christus, der Du Leiden selbst durchlebt hast: Sei ihnen und uns allen besonders jetzt nahe!

Und da ist ein Gedanke, der sich einfach nicht wegschieben lässt. Ich nehme ihn in meine Gebete auf. Es ist die Hoffnung, dass wir das Gute aus dieser Zeit, die uns alle verändert, bewahren und mitnehmen in die Zeit danach: Solidarität, Verantwortung und Zeit füreinander, eine neue Menschlichkeit, die Herz und Verstand miteinander verbindet, Besinnung und Besonnenheit, ein Klima, das sich erholt, eine Wirtschaft, die nachhaltige, Mensch und Natur dienende Wege geht. Es gibt keine einfachen Lösungen, die Umstellung wird schwer und ist doch alternativlos. Wir alle entscheiden darüber mit. Für unsere Erde, für unsere Kinder. Eines aber wünsche ich mir wieder anders: Körperliche Nähe und Kontakt zu anderen Menschen. Auch und besonders für die Einsamen.
Heiliger Geist, Du göttliche Kraft, verändere uns!

Montag, 6. April - Rolf Noormann

seligpreisungen für momente innerer not


wohl den müden
wohl den verschmachtenden
wohl den lieblosen
wohl den unruhigen
wohl den bedrückten
wohl den keuchenden
wohl den schlaffen
wohl den trockenen

denn

sie sollen erquickt werden
sie sollen nahrung finden
sie sollen liebe erfahren
sie sollen beruhigt werden
sie sollen sich aufrichten dürfen
sie sollen tief durchatmen können
sie sollen belebt werden
sie sollen bewässert werden

wie ein garten

aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr, Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.348. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

Sonntag, 5. April 2020 - Thomas Bleher

 
Auf dem Holzweg



Zugegeben, wir sind auf dem Holzweg, wenn wir ihm folgen:
Auf diesem mühsamen Weg vom Holz der Krippe im ärmlichen Stall
Zum Holz des Kreuzes, dem Marterpfahl, an dem er litt.
Dazwischen der harte Alltag des Zimmermanns: Holz,
Balken und Latten ringsum. Bretter, die die Welt bedeuten.
Das war seine Welt. Holzgeruch über Jahre hin.
Und nun also ich: Mit dem Brett vor dem Kopf und dem Balken im Auge.
Und ich, ich will ihm nachgehn. (Lothar Zenetti)

 

Samstag, 4. April 2020 - Rolf Noormann

Wozu beten?



Beten hilft. Das sagen Pfarrer gern. Aber wenn es, wie jetzt, darauf ankommt, setzen auch sie auf die Wissenschaft. Die größte Hoffnung in der Corona-Krise ist die Entwicklung eines wirksamen Medikaments, auch für mich. Ein Medikament könnte unzähligen Menschen das Leben retten. Ich bete trotzdem. Zum Beispiel abends, wenn die Glocken zum Abendgebet läuten. Warum? Es tut mir gut. Es hebt mich auf eine andere Ebene. Selbst die Mönche im Kloster haben nicht nur gebetet und dann auf eine gute Ernte gehofft. Sie haben auch gearbeitet, oft hart gearbeitet. Aber vor und nach der Arbeit haben sie gebetet, und meist auch zwischendrin. Sie wussten: “Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.” So ist es immer. Mit meinem Gebet suche ich die Verbindung zu Gott. Nehme dankbar an, was Er mir gibt. Bitte um Hilfe. Klage Ihm das Leid der Welt. Das hilft. Nicht nur mir.

 

 

Donnerstag, 2. April 2020 - Thomas Bleher

Geduld


Gerade ist Geduld angesagt. Vieles ist nicht wirklich planbar.

Familien brauchen Geduld mit ihren Kindern.

Wir brauchen Geduld mit uns selber.

Um Geduld zu lernen, gibt es keinen Schnellkurs, auch keine Online Anleitung: In 6 Schritten zur Geduld. Sondern Geduld lernen wir vor allem durch Geduldsproben. Und sie ist eine Frucht des Geistes (Gal.5,22), die wächst  in der Verbindung mit Jesus. Gott hat Geduld mit uns. Und wir dürfen lernen, einen Tag um den anderen zu nehmen, vielleicht mit der Frage. „Herr, was ist heute wichtig?

 

 

Mittwoch, 1. April 2020 - Rolf Noormann
 
Der Mensch bleibt Mensch

Wissenschaft und Technik sind er zu erstaunlichen Leistungen fähig. Was Wissenschaft zu leisten vermag, zeigt in diesen Wochen der Berliner Virologe Christian Drosten wie kaum ein zweiter. Fast täglich gibt es neue Erkenntnisse. Auch die Entwicklung eines Impfstoffes schreitet voran. Aber immer wieder müssen auch Irrtümer und Fehleinschätzungen korrigiert werden, und Entwicklungen brauchen Zeit. So großartig die Wissenschaft ist, sie bleibt menschlich. Sie geht Schritt für Schritt. Sie macht auch Fehler. Das spricht nicht gegen die Wissenschaft. Es zeigt nur: der Mensch bleibt Mensch. Ein großartiges Geschöpf Gottes, mit grandiosen Fähigkeiten, aber auch mit Grenzen. In den Klöstern gilt deshalb das Motto: Ora et labora, bete und arbeite! Hier und heute könnte das Motto heißen: Forschen! Und beten. (Fortsetzung folgt.)

 

Dienstag, 31. März 2020 - Thomas Bleher

Blickwechsel: Dankbarkeit

Gerade treibt viele die Angst und die Sorge um:  Wie geht es weiter?
Kommt es noch richtig schlimm?
Was ist mit Deutschland- und mit der Welt nach Corona?
Aber üben wir mal den Blickwechsel:
Dankbarkeit die nicht wir Vergessen!!<----
Wir können im Warmen sitzen, auch wenn es draußen kalt ist.
Wir haben ein gut funktionierendes Gesundheitssystem.
Wir müssen nicht hungern. Wir können alles
an Lebensmitteln kaufen, was wir brauchen.
Wir haben Strom und fließendes, sauberes, trinkbares Wasser,
mehr als 2 Mrd. Menschen haben das nicht.
Wir können mit David sagen: „Lobe den Herrn, meine Seele
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Ps. 103,2
Dankbarkeit ist eine gute Medizin und es gibt keine Überdosis
oder schädliche Nebenwirkungen.

 

Montag, 30 März 2020 - Fritz Hammann 

Mitfühlen 

In diesen Tagen denken wir auch an die Menschen, die in sozialen, pflegerischen und therapeutischen Berufen arbeiten, in ambulanten und stationären Einrichtungen. Sie sind in besonderer Weise mit der Virus-Krise konfrontiert. Für sie gehört der persönliche, auch nahe Umgang mit Klienten und Patienten zum Alltag ihres Berufes und sie sind damit mit äußeren und inneren Herausforderungen konfrontiert: es gibt die staatlichen Vorgaben, Abstand zu halten, und andererseits sind in den pflegenden, therapeutischen Situationen Kontaktaufnahmen mit den Betroffenen unumgänglich. Dies führt häufig zu einer „schwer erträglichen inneren Zerrissenheit“, wie es eine Leitende Ergotherapeutin einer psychiatrischen Klinik vor kurzem formulierte.  Ihren Kolleginnen vermittelte sie in einer persönlichen Nachricht große Anerkennung:  „In dieser Situation eine Therapie für Menschen anzubieten, für die Isolation und Beziehungslosigkeit eine große Belastung wäre, ist großartig. Ich danke Euch, dass Ihr Euer Bestes gebt, seid in Gedanken von Herzen umarmt“.  

 

Sonntagmorgen - Karsten Struck

Die Sonne scheint.Ich mache das Fenster auf. Und setze mich davor.

Mit einem Kaffee oder Kakao oder Tee.

Ich höre einfach zu. Ich habe jetzt Zeit dazu.

Die Vögel zwitschern. Kann ich hören, wie unterschiedlich sie klingen? Kann ich zählen, wie viele es sind?

Heute höre ich weniger Autos fahren als sonst.

Oh ja – ich höre Glocken läuten. Heute rufen sie nicht zum Gottesdienst, die sind verboten.

Aber ihr Läuten unterbricht trotzdem den Alltag.

Auch wenn man nicht in die Kirche geht.

Da kann ich beiseite legen, was mich gerade beschäftigt und höre auf die Glockenschläge.

Mein Kopf und mein Herz sind trotzdem voll.

Einatmen….ausatmen…Alles lassen.

Zur Ruhe kommen.

Ich bin hier. Gott ist hier. Das genügt.

Vielleicht fällt mir jetzt gerade ein Lied ein.

Dann singe ich das einfach.

Und ich kann Gott alles sagen.

Ich kann ihm danken für das Schöne, dass ich in der Woche erlebt habe. Was war schön?

Ich kann ihm sagen, was mich beschäftigt gerade. Was beschäftigt mich?

Ich kann ihm sagen, wen ich heute vermisse. Wen vermisse ich heute?

Ich kann ihm sagen, wer mich heute wohl vermisst. Wer vermisst mich heute?

Ich kann ihm sagen, an wen ich heute denke. An wen denke ich? Ob sie oder er das merken?

Ich kann ihm von meinen Sorgen und Ängsten erzählen. Welche Sorgen habe ich? Wovor habe ich Angst?

Ich kann ihm sagen, dass ich ihn brauche.

In der Bibel steht: Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben,
sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Daran möchte ich gern glauben.

Vater unser….

Gott – behüte und segne mich.

 

Oh, jetzt habe ich eine halbe Stunde einfach vor dem offenen Fenster gesessen.

Und Gottesdienst gehalten.

 

 

Samstag, 28. März 2020 - Rolf Noormann

Unter Vorbehalt

Im Augenblick können wir nicht planen. Für viele ist das eine ungewöhnliche Situation. Die Termine im Kalender reichen vielfach bis ins nächste Jahr. Jetzt bekommen schon Termine im Mai und Juni ein dickes Fragezeichen. Eine ganz neue Erfahrung! Dabei stehen unsere Planungen eigentlich immer unter Vorbehalt. Keiner weiß, was der morgige Tag bringen wird. Was ich heute plane, kann morgen schon hinfällig sein. In der christlichen Tradition gibt es dafür eine Formel: “unter dem Vorbehalt des Jakobus”. Im Jakobusbrief wird alles menschliche Planen mit einem Fragezeichen versehen. Wir sollen darum sagen: “So der Herr will und wir leben, wollen wir dies oder das tun” (Jakobus 4,13-15). Vielleicht ist es das, was wir gerade von neuem lernen müssen: Alles menschliches Planen hat Grenzen. Es steht unter Vorbehalt.

Freitag, 27. März - Thomas Bleher

Umkehr

Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind und uns verfahren haben, kann es vorkommen, dass das Navi sagt: „Bitte wenden!“ Ähnlich sagt es Gott in 2. Chr. 7,14. Nur dass es hier um unser ganzes Leben und um unser ganzes Volk geht. Gott sagt: „Siehe, wenn ich den Himmel verschließe, dass es nicht regnet, oder die Heuschrecken das Land fressen oder eine Pest unter mein Volk kommen lasse und dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“
Gott verspricht, er will unser Land heilen! Eine wunderbare Zusage! Sind wir auch bereit, umzukehren, zuzugeben, dass wir stolz waren und ohne ihn gelebt haben. Dass wir versucht haben, selber Gott zu sein und alles im Griff zu haben. Oder dass wir sehr egoistisch waren und nur noch an uns selber gedacht haben. Die weltweite Corona Krise ruft uns dazu auf, Gott zu suchen und für andere in der Fürbitte einzustehen. Er ist nicht nachtragend und lässt sich gern von uns finden.



Donnerstag, 26. März - Brigitte Hage

Innehalten

In den vergangenen Tagen sind wir sicher alle daran gescheitert, auch mal über etwas anderes sprechen zu wollen. Jedes Gespräch landete irgendwann einmal beim Virus.
Wir bewegen uns gerade ins Ungewohnte hinein, ohne die Zeit gehabt zu haben, uns darauf vorzubereiten. Das macht uns Angst, kann aber auch eine Chance sein.
Stellen wir uns doch mal die Frage, wie dieses Geschehen unser Denken verändert. Viele Termine sind entfallen, viele Veranstaltungen ausgefallen. Viel Zeit tut sich auf.
Was nun etwas Gutes mit uns machen kann, ist der Blick nach Innen und nach dem Zueinander und dem Miteinander.
Wir haben auch die Chance, die „Warumfrage“ zu stellen: Warum tue ich dies und jenes überhaupt? Es ist entfallen! Fehlt es mir? Also warum tue ich das überhaupt? Diese „Warumfrage“ kann eine gute Chance sein, in eine neue Nachdenklichkeit, in eine neue Innerlichkeit zu kommen und unsere gewohnten Prioritäten zu überdenken.
Innerlichkeit kann heißen: das Verhältnis zu mir selbst zu überdenken. Wie nehme ich mich wahr, wie gestalte ich meine Beziehungen zu den Menschen um mich herum und – vielleicht auch – wie ist es mit meinem Verhältnis zu Gott oder zu der Ewigen, welchen Namen auch immer ich nenne? Diese Fragen zuzulassen kann ausgesprochen fruchtbar sein, aber auch unbequem. Nutzen wir die Chance und trauen wir sie uns zu!



Mittwoch, 25. März 2020 - Fritz Hammann

Nicht alles ist abgesagt…

Über eine Bekannte bekam ich vor ein paar Tagen ein Bild mit einem bewegenden Text zugeschickt. Auf dem Photo war ein weites, flaches Land zu sehen, das von einem großen, strahlenden Regenbogen überspannt wurde.

Sonne ist nicht abgesagt
Frühling ist nicht abgesagt
Beziehungen sind nicht abgesagt
Liebe ist nicht abgesagt
Lesen ist nicht abgesagt
Zuwendung ist nicht abgesagt.

Musik ist nicht abgesagt
Phantasie ist nicht abgesagt
Freundlichkeit ist nicht abgesagt
Gespräche sind nicht abgesagt
Hoffnung ist nicht abgesagt
Beten ist nicht abgesagt.

 

Dienstag, 24. März 2020 - Rolf Noormann

wohl denen die vater sagen

wohl denen die unser vater beten
    sie werden wissen wer sie sind
wohl denen die dein name sagen
    sie werden söhne und töchter genannt
wohl denen die dein reich rufen
    die zukunftsangst verfliegt
wohl denen die deine wille flüstern
    sie werden tatkräftig sein

wohl denen die tägliches brot erbitten
    sie kommen nicht zu kurz
wohl denen die um vergebung flehen
    sie dürfen versöhnt in den tag leben
wohl denen die um führung bitten
    sie geraten nicht auf abwege
wohl denen die nach erlösung schreien
    das leben wird ihnen gelingen

aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr, Friedrich-Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.11. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

Montag,  23. März 2020 - Thomas Bleher

Gemeinschaft

Gemeinschaft mit Freunden, Familienangehörigen, Vereinskameraden usw. das ist etwas, was gerade wohl sehr viele Menschen schmerzlich vermissen.
Und wahrscheinlich wird sich das auch die nächsten Wochen noch nicht ändern.
Aber wir können zum Telefon greifen, wir können mal wieder einen Brief schreiben Oder die ganzen elektronischen Medien nutzen. Helfen wir mit, damit alleinstehende Menschen dennoch Kontakt haben.
Und bei aller Einsamkeit dürfen wir wissen: Wir sind nie alleine.
Jesus hat versprochen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“
Corona ist nicht der Welt Ende, sondern Jesus ist da, auch in dieser Krise.


Sonntag, 22. März - Rolf Noormann

Stillstand

Die Sonntage meiner Kindheit und Jugend waren besondere Tage. Vieles, was im Alltag selbstverständlich war, war am Sonntag nicht erlaubt, auch für uns Kinder nicht. 1973 kamen dann noch die Sonntagsfahrverbote dazu, wegen der Ölkrise. Das waren sehr ruhige Tage, an die ich mich heute noch erinnere. Stillstand, nur weil es Sonntag ist, das gibt es heute nicht mehr. Dabei würde Ruhe manchmal wirklich gut tun. Freie Tage als wohltuende Unterbrechung nicht nur der Arbeit, sondern auch der sonstigen Geschäftigkeit. Ich würde mir das wünschen, für mich und auch für unsere Gesellschaft. Jetzt sind wir in vielen Bereichen zum Stillstand gezwungen. Vielleicht gelingt es uns, auch zur Ruhe zu kommen. Gelassener zu werden. Zu Hause zu bleiben. Das ging einmal. Es könnte vielleicht auch heute wieder gehen. Es könnte uns gut tun.

 

 

Samstag, 21. März - Thomas Bleher

Sorgen

Es gibt gerade viele Sorgen um unsre Gesundheit und eine stabile Versorgung. Oder sogar die Angst, wir könnten in Deutschland 2-3 Wochen Ausgangssperre bekommen.Sich Gedanken zu machen und zu planen ist gut. Es ist gefährlich einfach plan- und gedankenlos in den Tag hineinzuleben, gerade in unseren Tagen. Aber Sorgen lähmen.Gott bietet uns an, unsre Sorgen abzunehmen, damit wir befreit leben können.Gott sagt durch Petrus: „All eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ 1. Petr. 5,7 Gott weiß, was wir brauchen, weiß, was uns belastet und Sorgen macht. Deshalb dürfen wir getrost unsre Sorgen ihm überlassen, er sorgt für uns. Und es ist wichtig, dass wir sie nicht wieder zurückholen, sondern auch wirklich bei ihm lassen.


Freitag, 20. März - Rolf Noormann


Eine kleine Aufmerksamkeit

Christlich heißt menschlich. Und menschlich ist, was andern gut tut. Eine kleine Aufmerksamkeit zum Beispiel. Ein freundliches Lächeln für die Verkäuferin an der Kasse, ein paar ermutigende Worte, eine interessierte Frage. Oder eine Schachtel Pralinen. Als Zeichen, dass wir wahrnehmen, was sie gerade zu tun hat. Und auszuhalten. Oder ein paar Frühlingsblumen vor die Haustür des Nachbarn, versehen mit einem freundlichen Gruß. Oder ein Anruf bei Menschen, die allein leben. Reden tut gut in diesen Zeiten. Reden ist menschlich. Reden ist christlich. Und Zuhören auch.

 

Donnerstag, 19. März - Thomas Bleher

Krise als Chance

Wir fühlen uns gerade wohl alle etwas verunsichert.
Jeden Tag gibt es neue Meldungen und Veränderungen.
Deutschland ist nicht mehr so, wie noch vor einer Woche.
Wie geht es weiter?
Aber es ist auch eine Chance, neu dankbar zu sein für alles,
was wir haben und zu erleben, dass Gott uns durchträgt.
Gott sagt: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
so will ich mich von euch finden lassen.“ Jer. 29,13f.
Eine wunderbare Zusage. Wir dürfen es ausprobieren und Erfahrungen damit machen.

 

 

Mittwoch, 18. März - Rolf Noormann

Sich schützen

In diesen Tagen machen wir uns viele Gedanken darüber, wie wir uns schützen können vor dem Corona-Virus: Abstand halten, die Hände gründlich waschen, keine großen Versammlungen besuchen. Das ist im Augenblick sehr wichtig. Aber so wichtig es ist, uns vor dem ansteckenden Virus zu schützen, wir sollten auch an unsere Seele denken. Auch die braucht Schutz. Sonst geraten wir in Panik, stürzen uns in Hamsterkäufe, werden rücksichtslos gegenüber anderen. Das Gebet kann eine Hilfe sein, die Seele zu schützen. Der französische Dichter Charles Baudelaire schreibt über das Abendgebet: “Ein Mensch, der abends betet, ist ein Feldherr, der seine Schildwachen aufgestellt hat: er kann ruhig schlafen.”

 

Dienstag, 17. März 2020 - Rolf Noormann

Angstlos leben

Einer der häufigsten Sätze der Bibel heißt: Fürchte dich nicht! Meist sind es Boten Gottes, die das zu Menschen sagen. Offenbar neigen Menschen dazu, sich zu ängstigen, sich Sorgen zu machen. Manchmal gibt es dafür, wie es scheint, gute Gründe. Manchmal kommen Sorgen und Ängste eher grundlos auf. Die Bibel macht uns Mut zu Ruhe und Gelassenheit. Es ist einer da, der unser Leben im Blick hat, der für uns sorgt. Darum diese besondere Ermutigung: Fürchte dich nicht! In einer kurzen Auslegung dazu heißt es. “Fürchte dich nicht. Das ist das wichtigste. Schon nur das reicht. So bist du schon auf dem Weg der Liebe. Angstlos leben - die Gottesverheißung schlechthin.”