Gebete

„Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfts mir, dass ich sicher wohne.“ Ps. 4,9
Lied EG 334,1-4: Danke, für diesen guten Morgen


Ein neuer Morgen
Ich erwache - ich bin lebendig und kann mich bewegen:
Danke!
Ich erwache und sehe: Gott schenkt mir einen neuen Tag:
Danke!
Ich stehe auf und habe frisches, warmes Wasser,
um mich zu waschen:
Danke!
Ich rieche den Duft des Kaffees:
Danke!
Ich habe Menschen, die an mich denken:
Danke!
Dankbar nehme ich den Tag aus deiner Hand.
Geborgen in dir gehe ich in diesen Tag,
in alle Begegnungen, an alle Aufgaben.
Füll du mich, gebrauche mich.
Amen

Sehnsucht


Du kennst
unsere Sehnsucht,
Gott.


Du hast sie uns
in die Wiege gelegt,
ins Ohr gesungen,
ins Herz gepflanzt,
in die Augen gezaubert,
auf den Weg gestreut.


Die Sehnsucht
nach Geborgenheit und Heimat.
Die Sehnsucht
nach Vergebung und Neuanfang.
Die Sehnsucht
nach Zärtlichkeit und Schonung.
Die Sehnsucht
nach Antwort und Klarheit.


Du kennst
unsere Sehnsucht,
Gott.


Du bist
unsere Sehnsucht,
Gott.


Weite unser Herz.
Schließe die Wunden.
Öffne unsere Sinne.
Vergib den Zweifel.
Stärke den Glauben.


Gerhard Engelsberger, Von Achtsamkeit bis Zuversicht, Verlag Kreuz 2009, S. 156

Freundschaft und Liebe


Gott des Lebens,
ich danke dir für die Menschen, die mir nahe stehen,
für Freundinnen und Freunde, die mich begleiten,
Die für mich da sind, wenn ich Hilfe brauche,
Die sich mit mir freuen, wenn es mir gut geht.
Sie lassen mich etwas von deiner Liebe erfahren, Gott,
die so wichtig ist für mein Leben.
Um deine Nähe bitte ich,
wenn unsere Freundschaft auf die Probe gestellt wird.
Gib uns Geduld und Achtung voreinander,
hilf uns, einander verstehen und nicht aufzugeben.
Lass uns ehrlich und liebevoll miteinander umgehen.
Hilf uns auch durch Konflikte hindurch zu neuer Nähe.

 

© Gesangbuchverlag Stuttgart GmbH
Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Gesangbuchverlag Stuttgart GmbH

Glaubensbekenntnis Dietrich Bonhoeffer

 

Ich glaube,

daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.


Ich glaube,
daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandkraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, daß auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und daß es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, daß Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern daß er auf aufrichtige
Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

 Dietrich Bonhoeffer

Herr, unser Gott und Vater,

wir danken Dir für die Freiheit zu Dir zu reden und vor Dir zu schweigen.
Wir danken Dir, dass wir alle Angst und Sorge und alle Selbst-beobachtung ablegen dürfen.
Wir danken Dir, dass unsere alten und verbrauchten Worte vor Dir mehr sein können als nur unsere Worte.
Wir bitten Dich für die Menschen, denen das Beten leicht fällt, dass sie nicht selbst-sicher werden.
Wir bitten Dich für die Menschen, die nicht zu beten vermögen, dass sie kein schlechtes Gewissen haben - Du hörst sie auch so.
Wir bitten Dich für die Menschen, die zu beten versuchen, dass sie nicht verzweifeln müssen.
Wir bitten Dich für die Menschen, die Dir fluchen, dass ihr Leiden ein Ende findet.
Wir sind dankbar, dass wir Dich Vater nennen dürfen - wir bitten Dich für alle, für dieser Name belastet ist mit schweren Erfahrungen und Erinnerungen. Führe sie zur Freude und Freiheit der Kinder Gottes.
Wir sind dankbar, dass wir Dich unseren Vater nennen dürfen - und erschrecken darüber, wie unbrüderlich und unmenschlich unsere Welt aussieht.
Lass Dein Reich kommen,
lass Deinen Willen geschehen
wie im Himmel
so auf Erden.

Amen.

 

Gebet von Pfarrer Noormann aus der Predigt vom 17. Mai zum Thema Rogate! 


Abendgebet

Am Abend des Tages rufen wir zu Dir, Herr.
Dein ist der Tag und Dein ist die Nacht.
Wir danken Dir für das Licht Deiner Güte,
das uns diesen Tag erhellt hat,
für allen Segen,
den Du heute auf uns und unser Haus gelegt hast.
Dir befehlen wir an,
was uns heute bedrückt und belastet hat.

Wir bitten Dich, Gott:
Lass Dein Licht uns leuchten,
wenn der Schein dieses Tages vergeht.
Lass Deinen Glanz um uns sein,
wenn Angst und Sorgen unser Herz verdunkeln.
Stärke uns mit Deinem Trost und Segen,
heute und morgen und alle Tage unseres Lebens.

Freude

Ich taumle / wie die Myriaden kleinster Insekten
im Licht der Sonne, / trunken von Wärme,
beseelt von deinem Atem, / Gott.

Ich sehe den Himmel offen.
Ich spüre die Kraft des Adlers.
Ich höre freundliche Worte.
Ich gehe auf meinen Wegen.

Grenzen sind gefallen. / Stürme haben sich verbraucht.
Engel haben die Flügel abgelegt / und bleiben.

Damit hätte keiner gerechnet.
Darauf hätte keiner einen Cent gewettet.
Und doch: Es ist geschehen.
Du hast ein Machtwort gesprochen,
umwerfend in seiner Freundlichkeit,
ohne Wenn und Aber in seiner Klarheit.
Die Angst zittert, der Tod zagt,
die Wüste lebt, das Leben siegt.

Du
hast uns die Ostersonne / gegen den Herbstnebel,
den Weihnachtsstern / gegen die Winterfröste gegeben.

Wir kehren um, / trotzen dem Tod
und freuen uns des Lebens.

Aus: Gerhard Engelsberger, Von Achtsamkeit bis Zuversicht, Kreuz Verlag Stuttgart 2009, S.69. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Gebet

Gott, zu Ostern hast du uns gezeigt,
dass das Leben über den Tod siegt
und das Licht über die Finsternis.
Dafür danken wir dir.

Wir bitten dich für uns,
dass wir dir vertrauen auf unseren Wegen,
gerade auch in Zeiten der Angst und Not:
Führe uns aus der Dunkelheit ins Licht.

Wir bitten dich für die Kranken und Bedrückten,
für alle, die in ungerechten Verhältnissen leben,
für die Opfer von Krieg und Gewalt:
Führe sie aus der Dunkelheit ins Licht.

Wir bitten dich für die, die um einen Menschen trauern,
den sie geliebt haben, der sie geprägt hat,
und mit dem sie sich auch jetzt noch verbunden fühlen:
Führe sie aus der Dunkelheit ins Licht.

Lass das helle Licht des Ostermorgens aufleuchten
über uns und über der ganzen Erde.
Amen.

 

 

Klage

Gott, / lehre uns klagen.

Dass wir nicht jammern
und uns selbst bemitleiden;
dass wir uns nicht beschweren
und mit dem Finger zeigen;
dass wir nicht lamentieren
und die Not breittreten.

Gott, / lehre uns klagen.

Über jeder Hölle / weitet sich ein Spalt Himmel.
Über jeder Not / steht leuchtend dein Kreuz.
Jede Klage / hat ihren Grund.

Gott, / lehre uns klagen.

Du bist der Grund unserer Hoffnung.

Du bist der Grund unserer Klage.
Bring uns zum Schweigen,
dass wir einstimmen in deine Klage.

Aus: Gerhard Engelsberger, Von Achtsamkeit bis Zuversicht, Kreuz Verlag Stuttgart 2009, S.118. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.

 

Abend

Treuer Gott, / es wird Abend.

Ein Tag kommt an sein Ende.
Ich brauche Zeit. / Möchte verstehen,  / was war.
Da waren Eindrücke, Begegnungen.
So vieles ist gelungen. / Manches ist noch offen. / Einiges war falsch.
Ich möchte noch nicht / an morgen denken.
Auch da wartet vieles, / was nicht erledigt ist.
Ich möchte zur Ruhe kommen.
Das eine / dankbar weglegen können.
Es war gut, wie es war.
Dem anderen / noch eine Zeit schenken,
eine Nacht, / dieses Gebet / und mein Vertrauen,
dass morgen ein Weg sein wird.
Löse mich vom Tag. / Es wird Abend.
Löse mich von der Sorge. / Du meinst es gut.
Löse mich von meinen Plänen. / Du hast einen Weg mit mir.
Löse mich von jeder Bindung, / die mir das Leben schwermacht.
Löse mich. / Du bist mein Halt.

Aus: Gerhard Engelsberger, Von Achtsamkeit bis Zuversicht. 200 thematische Gebete für den Gottesdienst, Stuttgart 2009. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.

christus der arzt

christus der arzt
hat uns sein heilmittel verschrieben
das er selber eingenommen hat
das unservatergebet

du christus heilst uns
von der vaterlosigkeit
von der familienlosigkeit
von der zukunftslosigkeit

du heiland pflegst uns
gibst brot für jeden tag
vergebung täglich
und erlösung von dem bösen

du jesus bewahrer
vor hunger und durst
vor groll und verzweiflung
vor gefangenheit und bösem

gelobet seist du

aus: Minimeditationen und Miniaturen für das ganze Jahr, Friedrich Reinhardt-Verlag Basel 2016, S.278. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Liturgie für ein AbendGebet