Aus Liebe zur Orgelmusik von Kasachstan nach Deutschland: Ioanna Solomonidou

Foto: Rapp-Hirrlinger

Ihre Leidenschaft gehört der Musik. Mit sechs Jahren begann Ioanna Solomonidou das Klavierspielen zu erlernen. Heute steht für die 32-Jährige die Orgel im Mittelpunkt. Für das Orgelstudium verließ sie sogar ihre Heimat Kasachstan und übersiedelte nach Deutschland. Seit gut einem Jahr ist sie Organistin der Evangelischen Kirchengemeinde Denkendorf. Am 29. September spielt sie dort ihr erstes Konzert.

Ioanna Solomonidou  wurde in Almaty in Kasachstan geboren. Ihre Eltern waren beide Musiker und förderten früh die musikalische Ausbildung der Tochter. Der Vater ist Russlandgrieche und so zog die ganze Familie 1990 nach Thessaloniki in Griechenland. „Eigentlich wollte ich Balletttänzerin werden, doch dort gab es keine Ballettschule “, erzählt Solomonidou. Also fiel die Wahl auf die Musik. „Für mich kam nur Klavier in Frage“, sagt sie. Parallel zur Schule studierte sie elf Jahre lang am Konservatorium und beendete 2005 ihr erstes Musikstudium.

Zurück in Kasachstan folgten weitere Studien und schließlich der Wechsel zur Orgel. „Eigentlich war das der Wunsch meines Vaters. Er ist ein großer Fan von Johann Sebastian Bach“, erinnert sich die Musikerin. Doch bereits nach der ersten Unterrichtsstunde stand auch für sie fest: „Dabei bleibe ich.“ Ihre Lieblingsepoche ist übrigens die deutsche Romantik. Ihre Lieblingskomponisten sind unter anderem Mendelssohn, Reger, Liszt, Brahms und Schumann. Nach ihrem Master-Abschluss 2011 entschied sie sich, nach Deutschland zu gehen: „Es ist das Land mit der größten und besten Orgeltradition.“ Sie setzte ihr Orgelstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart fort, laut  Solomonidou „eine der besten Orgel-Hochschulen der Welt“.

Rasch bemerkte sie Unterschiede: „In Kasachstan bleiben die Lehrer bis zum Ende des Studiums nah an den Studenten. Sie begleiten sie durchs ganze Studium.“ In Deutschland gebe es wesentlich weniger persönliche Kontakte und die Studenten müssten selbständiger arbeiten, seien häufig auf sich selbst gestellt.

Dennoch hat die polyglotte Frau, die neben ihren Muttersprachen Griechisch und Russisch auch Englisch und Deutsch spricht, die Übersiedelung nicht bereut. Längst hat sie in Deutschland nicht nur musikalisch ihr Glück gefunden. Mit ihrem Mann, der als Ingenieur arbeitet, hat sie eine zweieinhalbjährige Tochter.

2016 hat Ioanna Solomonidou ihre Studien angeschlossen. Seither ist sie als Solo- und Kammermusikorganistin unterwegs, ist Mitglied in mehreren Ensembles, gibt an der städtischen Musikschule in Heilbronn Klavierunterricht und spielt Konzerte. „Früher war ich weltweit unterwegs, aber seit Emilia auf der Welt ist, beschränke ich mich auf Deutschland.“ In Denkendorf unterrichtet sie zudem zwei Schüler an der Orgel. In Stuttgart-Feuerbach hat sie darüber hinaus eine Chorleiterstelle. Kein Wunder, dass sie sagt: „Freizeit habe ich kaum.“

Um als Musikerin erfolgreich zu sein, braucht es viel Durchhaltevermögen. Nicht nur, dass man bereits als Kind anfangen müsse, ein Instrument zu erlernen, um überhaupt ein Musikstudium in Erwägung ziehen zu können: „Man muss ständig beweisen, dass man gut genug ist“, erklärt Solomonidou. Sechs Stunden am Tag zu üben, das war für sie als Kind selbstverständlich und keine Last. Sie habe immer gerne geübt, versichert sie. „Man muss ehrgeizig sein“, ergänzt sie. Konzerte zu besuchen oder auch selbst zu spielen und an Wettbewerben teilzunehmen – das habe sie motiviert. Etliche Auszeichnungen zeugen von ihrem Können. Und so blieb das Jurastudium, das sie zwischendurch begann, ein kurzes Intermezzo.

Das Orgelstudium führte fast zwangsläufig zur Kirchenmusik, obwohl Solomonidou dieses Fach nicht studiert hat. In Denkendorf begleitet sie die Gottesdienste auf der Orgel. Das erfordere auch religiöses Verständnis. „Im Studium haben wir viele Choräle gespielt. Da musste ich mich gut einlesen, um diese zu verstehen.“ Und so wuchs auch der Bezug zur Religion. Sie sei zwar griechisch-orthodox getauft, habe aber erst später zum Glauben gefunden. Nicht nur die Kirchenmusik gefalle ihr sehr sondern auch die Liturgie. „Ich höre gerne den Predigten zu.“ Gestalterischen Freiraum hat sie vor allem beim Vor- und Nachspiel der Orgel. Bei der Auswahl zieht sie in Betracht, welchen Stil die Gemeinde möge.

„Denkendorf liebt es eher moderner“, hat sie erfahren. Und sie überlegt, was in die jeweilige Zeit – Passion, Ostern oder Weihnachten – und zum Thema der Predigt passe. „Aber es hängt auch davon ab, wie ich gelaunt bin“, gibt sie zu. Die Auswahl der Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden, trifft der Pfarrer. „Aber ich spiele sie sehr gerne, vor allem, wenn ich die Lieder selbst gerne mag.“ Auch hier passe sie sich dem Stil der jeweiligen Gemeinde an. Weil sie fast immer in zwei Gottesdiensten hintereinander eingesetzt ist und es in der Klosterkirche und der Auferstehungskirche zwei ganz unterschiedliche Orgeln gibt, komme ihr ihre Fähigkeit zu Gute, sich schnell umstellen zu können.
Quelle: ev. Kirche Esslingen

Artikel von: Ulrike Rapp-Hirrlinger, Journalistin und Pressebeauftragte des Evang. Kirchenbezirks Esslingen